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Sich der Unmenschlichkeit nicht ergeben

Eine Begegnung mit Monireh Baradaran.

Daß jede Begegnung uns verändert, hatte ich einige Tage zuvor gelesen. Damit waren in diesem Buch eigentlich Liebesbeziehungen gemeint, aber bei mir rührte dieser Satz etwas anderes an. Etwas, das mit dieser Begegnung spürbar wurde. Und ich wünsche mir, daß ich das, was ich dadurch erfahren habe, bewahren kann.

 

Monireh Baradaran hatte ich im Film „My stolen Revolution“ der schwedisch-iranischen Filmemacherin Nahid Persson Sarvestani, gesehen. Zur Vorführung des Films im Rahmen des Terres des Femmes Filmfestes FrauenWelten war sie als Gast anwesend. Monireh Baradaran war als junge Frau in der iranischen Revolution von 1979 aktiv. sie glaubte an Demokratie und Freiheit, doch die, die an etwas anderes glaubten, waren schließlich diejenigen, die an die Macht kamen. Unter ihnen durchlitt sie 9 Jahre Gefängnis und Folter.Wie übersteht man eine solche, für uns unvorstellbare Situation, wollte ich von ihr wissen.

 

Die Antwort hat etwas in mir verändert.

 

Wenn diese zarte, einfühlsame Frau sich unter solchen Bedingungen ihren innersten Kern, ihren Glauben an Freiheit und Menschenwürde bewahren konnte, was hindert mich daran, meinen innersten Glauben an Freiheit und die Wertschätzung dieser Welt zu leben?

Ihre Haltung vermittelt eine andere Form von Stärke als das, was wir gemeinhin darunter verstehen. Und noch etwas ist mir noch mehr zur Gewissheit geworden: „Menschenrechte“ sind kein Eurozentrismus. Sie gelten für alle.

 

 

 

 

 

 Monireh Baradaran hat ihre Erfahrungen aufgezeichnet. Sie musste sich all das Geschehene noch einmal vergegenwärtigen, doch so, wie sie sich im Gefängnis, wo sie ihren Peinigern ausgeliefert war, im Innersten nicht ergeben hat, so wurde dies für sie ein weiterer Schritt, um aus der Ohnmacht des Opfers herauszutreten, zur Handelnden zur werden. Nun war es ihre Aufgabe, Bericht zu erstatten, zu zeigen, was geschehen war und was immer noch geschieht, nicht nur als politisches Mahnmal, sondern um der Menschlichkeit willen.

"Erwachen aus dem Alptraum" von Monireh Bradaran ist im Unionsverlag erschienen.

Ihr bekommt dieses Buch auch in der Thalestris in Tübingen.

 

 

Ich wünsche Monireh und allen, die ähnliches erlebt haben, all das Gute, das sie auch im Inneren in Freiheit, Frieden und Freude leben lässt. Und ich wünsche Monireh, daß ihre Arbeit Früchte trägt, erhoffte wie auch erfreuliche unerwartete.

 



 

 

 


Audio

Und hier: Das Gespräch mit ihr

Download (64,97 MB)
interview_monireh_baradaran.mp3





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