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Filmfest FrauenWelten und Kongress "Stop Sexkauf!"

Das Gespräch nahm Bezug auf den 25. November, den weltweiten Aktionstag "Nein zu Gewalt an Frauen" mit einem Zwischenbericht über das Filmfest FrauenWelten und einer Vorschau auf den Anti-Prostitutions-Kongress in München.

 Der Kongress "Stop Sexkauf!"in München

Das Filmfest FrauenWelten findet nicht von ungefähr in der zweiten Novemberhälfte statt: der 25.11. ist der Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen“. Mit „Traumland“ knüpfte das diesjährige Filmfest FrauenWelten an das letztjährige Schwerpunktthema „Prostitution“ an. Und warum Prostitution auch Gewalt an Frauen bedeutet, erläuterte uns Hedwig.  

Zwischenbericht Filmfest

Okey, okey, den genauen Wortlaut habe ich vergessen. Und den – Dichter? Das war so ein japanischer Name.

Wovon ich rede? Na von dem ersten Film, den ich beim Filmfest FrauenWelten im Kino gesehen habe, diesem herzerwärmenden Film über die norwegischen Volleyballdamen "The Optimists“. Ja, „herzerwärmend“ steht in jeder Rezension des Films, aber was besseres ist mit auch nicht eingefallen. Passt einfach. Ich meine, 98 ist die Älteste von ihnen. Achtundneunzig. Und immer noch fit. Und lachen kann sie!

Ja und da war er, dieser Spruch, bei den Untertiteln, den genauen Wortlaut habe ich vergessen, aber übersetzt hieß das so viel wie: „egal wie alt du bist, du kannst immer leuchten.“ Auf englisch klang das natürlich besser: „you can always shine“. Tja und das entpuppte sich dann als das Motto meiner Erlebnisse mit diesem FilmFest.

Ich glaube, jede Besucherin, jeder Besucher wird ein anderes, ein ganz eigenes Filmfest erleben. Das ist meines – bislang. Es ist ja noch nicht vorbei. Es war jedes Mal besonders. Aber dieses Mal – werde ich hoffentlich niemals vergessen.

Zunächst habe ich drei Filme rezensiert, da schien alles wie gewohnt, aufwühlend und mutmachend: „No Burqas behind Bars“, das mir die Gewißheit gab, daß dieses Empfinden für Selbstbestimmung in mir kein Eurozentrismus ist. Dann kam „My stolen Revolution“ - und dieser Film brachte mir die Begegnung mit Monireh Baradaran, die mir eine Ahnung vermittelte, was Kraft bedeutet, die Kraft einer inneren Überzeugung, der inneren Wahrung von Freiheit und Menschenwürde. Und einen Punkt dahinter setzte die Lady in Nr. 6, so hieß er, der Kurzfilm über die jüdische Pianistin Alice Herz-Sommer, die Theresienstadt überlebte. Dieses Leuchten in den Augen dieser 109 Jahre alten Frau, die das Leben noch immer wundervoll finden kann und noch immer Liebe für die Menschen empfindet … In diesem Moment glaubte ich es zu begreifen, daß die Hinwendung zum Leben eine innere Entscheidung ist. Ich hoffe, ich werde mich immer daran erinnern. Alice Herz-Sommer hat die Premiere dieses Filmes noch erlebt, sie ist mit 110 Jahren gestorben. Vielleicht sollte sie noch diese Botschaft in die Welt bringen, die man nur mit dem Herzen richtig verstehen kann. Mag sein, daß das ja kitschig klingt, aber es stimmt so.

Von den anderen Kurzfilmen möchte ich nur noch den über die „Karnevalskönigin“ erwähnen, nein nicht in Kölle, in Südamerika, Samba und so. Ach diese tolle Krone mit Rheinsteinen und Amethysten. Wieviele Kilo war die schwer? Und die ganze Zeit hält die Kamera auf das Gesicht dieses Kindes – 12 ist sie? Im Hintergrund die enthusiastischen Stimmen, was da alles tolles - derweil wird ihr Kopf mit chemischer Keule eingesprüht, die die Kopfhaut betäuben soll und das Gesicht dieses Kindes versteinert, die einzigen Worte: Nein, Mama, nein, das tut weh. Und zuletzt wird sie über den Korso geschleift, rechts und links die weiblichen Anverwandten, die ihren Kopf halten, weil das Monstrum von Krone viel zu schwer ist. „Oh, das tut weh“, hatte schon die kleine Meerjungfrau geklagt und „Schönheit muss leiden“ hatte ihre Großmutter drauf geantwortet. Wie das ganze endete, wissen wir ja. Was für ein entlarvender Film. Nunja, andernorts bringt man Menschen dazu, so lange auf den Zehenspitzen zu laufen, bis sich die Füße verformen und furchtbar stolz drauf zu sein. Aber nein, das ist ja nicht grotesk, das ist schließlich – unsere Kultur.

Apropos Absätze: diese junge Anwältin in „Difret“ - was war sie stur, wie ist sie voran gestürmt mit ihren klackernden Absätzen. Wie leicht hätte sie alles verlieren können. Aber wer nicht wagt, der kann auch nicht gewinnen, nicht wahr? Nur daß es hier nicht um eine Spielhölle ging sondern um – mehr als das Leben eines Mädchens. Letztendlich um das Leben vieler Frauen. Das diese Anwältin und ihre Mitstreiterinnen verändern konnten. Zum besseren.

Aber es ist noch nicht zu Ende, dieses Filmfest. Es kommen noch weitere Filme. „Wo die freien Frauen wohnen“ wird meine nächste Reise in die FrauenWelten. Und Eure?

 


Audio

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Kongress_Stop_Sexkauf.mp3


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Zwischenbericht_Filmfest_FrauenWelten.mp3





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