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Nachrichten vom 24.11.

Planungsstand im neuen Viertel

Die Stadt Tübingen informierte in einer öffentlichen Veranstaltung über den Stand der Planungen für das neue Viertel rund um den alten Güterbahnhof. 2016 soll Baubeginn auf der letzten großen Brachfläche in der Innenstadt sein. Ein Viertel der Fläche ist für private Baugemeinschaften reserviert, den Rest übernehmen Bauträger. Die Stadt legt Wert auf kleinteilige Entwicklung und architektonische Vielfalt. Wenn die neue Stadtbahn kommt, könnte das neue Viertel eine eigene Haltestelle bekommen. Außerdem ist eine Querungs-Achse von der Gartenstraße über das Güterbahnhofs-Viertel bis zum französischen Viertel geplant. Die künftige Nutzung des denkmalgeschützten Güterbahnhofsgebäudes ist noch nicht beschlossen. Im Gespräch sind das NS-Dokumentationszentrum, das Stadtarchiv, Kitas, Einzelhandel und Gastronomie. Ein Teil des Güterbahnhofs soll abgerissen werden, damit würde er seinen Denkmalschutz verlieren. Dies hält die Stadt für nicht problematisch.

Pläne für Schönbuchbahn

Der Kreistag Tübingen hat nun beschlossen, die Kosten für den Ausbau der Schönbuchbahn mitzutragen. Der Ausbau der Zugverbindung zwischen Dettenhausen und Böblingen ist nötig, denn die Fahrgastzahlen steigen immer mehr. Deshalb soll die Bahn ab Holzgerlingen in Richtung Böblingen nun im 15-Minuten Takt statt bisher halbstündig verkehren. Zudem ist eine Elektrifizierung der Bahnverbindung geplant. Ähnlich wie beim Projekt Regiostadtbahn Neckar-Alb ist es aber noch unsicher, wie hoch die finanziellen Zuschüsse von Land und Bund sein werden. Sicher dagegen ist, dass die jährlichen Kosten für Tübingens Anteil an der Bahnstrecke von derzeit 750.000€ auf voraussichtlich 1,35 Millionen im Jahr 2019 ansteigen werden. In diesem Jahr wird die Schönbuchbahn dann auch nach ihrem Aus- und Umbau in Betrieb genommen werden.

Terrakotta gegen Parkhaus

Der Terrakotta-Händler beim Sudhaus soll nach dem Willen der Planer einem Parkhaus weichen. Dies sei nötig, um die Anwohner der Gartenstadt für den Erweiterungsbau des Sudhauses zu gewinnen. Der Verkäufer sieht sich als Opfer eines Nachbarschaftsstreits. Die Eigentümerin des Geländes erhält von der Stadt ein Grundstück im Tauschverfahren. Der Terrakotta-Händler muss selber einen Ersatz finden, die Stadt unterstützt ihn dabei.

Vernissage zu Zwangsarbeit

Am 19. November lud das Tailfinger Rathaus zu einer Vernissage. Hier wurden Bilder ehemaliger Häftlinge des Arbeitslagers Tailfingen-Hailfingen gezeigt. Zu diesem Anlass kamen auch Nachfahren Inhaftierter der NS-Zeit. So zum Beispiel die Enkel des jüdischen Abraham Szkolnik. Er überlebte mehrere Arbeitslager und konnte nach dem Krieg nach Australien fliehen. Auch der Enkel von Hermann Rosenberg war gekommen. Hermann Rosenberg ist 1944 in dem Arbeitslager an „Entkräftung“ gestorben. Am 19. November 1944 sind 601 Häftlinge aus dem KZ Stutthof bei Danzig nach Tailfingen-Hailfingen gekommen um auf dem dortigen Flugplatz zu arbeiten. Alle Unterlagen zum dem Arbeitslager wurden noch vor Ende des Kriegs vernichtet. Doch 1978 begab sich Monika Walter im Rahmen ihres Pädagogik-Studiums auf Spurensuche und fand vieles dazu heraus. Im Tailfinger Rathaus gibt es zu diesem Thema nun Bilder, einen Gedenkraum, einen Seminarraum und Tafeln mit historischen Portraits von Häftlingen, deren Weg in Tailfingen-Hailfingen endete.

Software für Großprojekte

In der Genforschung werden längst nicht mehr nur einzelne DNA-Stränge untersucht, heutzutage werden in den Laboren ganze Proben auf das Erbmaterial aller Lebewesen in ihnen untersucht. Das ist mit einem nicht unerheblichen Rechenaufwand verbunden Die komplette Analyse einer menschlichen Stuhlprobe beispielsweise bringt solche Datenmengen hervor, dass die Rechenzentren mehrere Jahre für Auswertung und Vergleich mit bestehenden Daten benötigen. Diese Zeitspanne soll nun erheblich verkürzt werden. Wie die Tübinger Universität jetzt mitteilte, haben Benjamin Buchfink und Prof. Daniel Huson vom Zentrum für Bioinformatik der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit Chao Xie von der National University in Singapur nun ein Programm entwickelt, mit der die Rechenzeit auf wenige Tage verkürzt werden soll. DIAMOND (double index alignment of next-generation sequencing data) nennen sie ihr neues Programm. Diese technische Errungenschaft ermöglicht laut David Huson neue Möglichkeiten in der Medizin. Ein Ziel sei es, in Zusammenarbeit mit Medizinern Therapien für einzelne Patienten zu entwickeln, die auf den individuellen Genen beruhen.

Computer für Schulen

Laut dem Vorsitzenden des Verbandes Bildung und Erziehung, Gerhard Brand haben die Schulen in Baden-Württembergeine veraltete Technik. Darauf reagiert Tübingen jetzt. Veraltete Computer sollen in den Schulen ausrangiert werden und es soll eine bessere Technik für die Schulen geben. Dazu zählen beispielsweise Tablets für den Unterricht. Außerdem will die Stadtverwaltung das Verwaltungsnetz der Schulen modernisieren und den pädagogischen Einsatz von PCs und Tablets ermöglichen. Die Verwaltungsrechner der Schulen sollen in den kommenden 2 bis 3 Jahren auf den neuesten Stand gebracht werden. Und es soll mehr digitale Geräte für die Schulen geben. Welche das sind entscheiden die Schulen selbst.

UN-Kinderrechte

Vor 25 Jahren beschloss die UN-Generalversammlung die UN-Kinderrechtskonventionen. Zum Jubiläum zog der Tübinger Professor Lothar Krappmann ein Fazit aus den Beschlüssen und dem, was bisher davon umgesetzt wurde. Deutschland hat das 1989 beschlossene Abkommen erst zwei Jahre später bestätigt und anerkannt. Probleme gab es dabei vor allem in den Paragraphen der Gleichstellung aller Kinder, also auch derer mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Diese Probleme sind heute zum größten Teil ausgeräumt, eine sogenannte "Monitoring-Stelle", ein Posten der die Umsetzung der Konventionen voranbringen soll, wurde aber bis heute nicht eingerichtet. Ebenfalls kritisiert Krappmann die mangelnde Information der Kinder. Über die Hälfte von ihnen wurde nicht über ihre Rechte aufgeklärt, im Schulstoff sind sie kaum bis gar nicht vertreten. Ebenso sieht es mit den Ausbildungsverordnungen von Erziehern, Polizeibeamten oder Verwaltungsangestellten aus. Im deutschen Kinder- und Jugendrecht sieht er allerdings keine Probleme, dort seien die Beschlüsse gut umgesetzt worden und das Kindeswohl stehe im Vordergrund. Krappmann gab auch zu bedenken: Warum sollen 14-Jährige nicht selber entscheiden können, ob sie mit einem chirurgischen Eingriff einverstanden sind? Krappmann verwies in seinem Vortrag auch auf die englische Formulierung: "Enjoy your rights". "Einengungen durch Eltern und Lehrer" sind aus seiner Sicht oft "schädlich" für das Kinderrecht auf freie Entfaltung.

Kinderhilfe Afghanistan

Im katholischen Gemeindehaus in Mössingen berichtete am 18.11. Reinhard Erös von seinem Engagement in Afghanistan. Der ehemalige Berufssoldat und Arzt beteiligte sich gemeinsam mit seiner Familie am Wiederaufbau Afghanistans und leistete humanitäre Hilfe. Seit 1981 setzt Erös sich regelmäßig für internationale Hilfsorganisationen ein. Von 1985 bis 1990 ließ sich der Arzt bei der Bundeswehr beurlauben und versorgte die Zivilbevölkerung im Osten Afghanistans ärztlich. Bei seinem Vortrag zählte Erös die Fehler des Westens auf, die bei der Durchführung der Einsätze gemacht wurden. Er nannte vor Allem die Kosten, mangelndes Vorwissen und das Unwissen der Politik und des Militärs über die kulturellen und ethischen Verhältnisse in Afghanistan.




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