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LOKALMAGAZIN


Beiträge & Artikel

Nachrichten vom 31.10.

1. Wilhelma bedroht
Die Wilhelma ist ein selbstverwaltetes Wohnprojekt in der Tübinger Wilhelmstraße. Die Zukunft der Wilhelma ist bedroht. Ein Brandschutzgutachter hatte 2013 erhebliche Mängel festgestellt. Es gab einige Maßnahmen wie Brandschutztüren, aber das Studentenwerk kündigte den Mietern auf September 2015. Was dann passiert ist völlig unklar. Das denkmalgeschützte Haus könnte komplett saniert werden. Sollte die Sanierung allerdings wirtschaftlich nicht zumutbar sein, könnte auch der Abriss der Wilhelma drohen. Die Bewohner hoffen darauf, dass die Selbstverwaltung erhalten bleibt. Sie würden eine Sanierung im bewohnten Zustand in Kauf nehmen, damit kein Leerstand entsteht. Sogar mithelfen würden sie, aber sie sind nicht einmal an den Verhandlungen beteiligt.

 

2. Menschenrecht auf Nahrung
Seit der Finanzkrise 2008 steigen immer mehr Lebens- und Rentenversicherungen sowie Versorgungswerke der freien Berufe in internationale Agrar-Fonds ein. Vergangene Woche klärte Gertrud Falk, eine Referentin der Menschenrechtsorganisation Fian, im Weltladen über die Hintergründe auf: die indigene Bevölkerung wird von den Agrar-Konzernen von ihrem Land vertrieben. Zwar steht ihr beispielsweise in Brasilien ein verfassungsrechtlich geschützter Zugang zu, doch die Konzerne weigern sich unter Berufung auf das Betriebsgeheimnis, von ihnen genutzte Flächen auszuweisen. Es ist für die Betroffenen faktisch nicht möglich, sich zur Wehr zu setzen, da die Landfonds sich in viele Tochtergesellschaften aufteilen, die nur im Auftrag handeln. Deshalb fordert Fian für Betroffene ein Klagerecht in Deutschland, sobald deutsche Anleger an solchen Fonds beteiligt sind sowie eine bessere Kontrolle der wirtschaftlichen Aktivitäten deutscher Unternehmen im Ausland. Laut Fian betrifft der globale Landraub aktuell bis zu 227 Millionen Hektar, vor allem in afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Fian steht für „Food First Informations- und Aktionsnetzwerk“, die Nichtregierungsorganisation setzt sich weltweit für das Menschenrecht auf Nahrung ein. Kontakt zur Tübinger Lokalgruppe bekommt man unter fian-tuebingen@web.de.

 

3. Soziales Lernen
Das Projekt "KoSoLeP" feiert sein zehnjähriges Bestehen. "KoSoLeP" steht dabei für "Kooperation Soziales Lernen in Projekten". Im Kern geht es darum, dass Reutlinger Lehrlinge der Firma Bosch zusammen mit Schülern der Mössinger Dreifürstensteinschule Kunstprojekte im weitesten Sinne betreiben. Dies Sorge für Abwechslung in der Ausbildung der Lehrlinge, helfe den Schülern bei der Berufswahl und diene der Entwicklung von Sozialkompetenzen. Seit der Gründung des Projektes vor 10 Jahren wurden rund hundert Kleinprojekte geplant und durchgeführt. Darunter finden sich Dinge wie "Kunst aus Schrott", ein kunstvolles Erschaffen von Skulpturen aus Metallabfällen durch körperlich Behinderte, oder auch Theaterstücke. So spielte eine Gruppe das Märchen "Froschkönig" auf der Bühne nach - wobei alles, von Kostümen bin hin zu Bühnenbild und Requisiten, selbst gefertigt wurde. In der Vergangenheit nahmen insgesamt 900 Leute an den verschiedenen Projekten teil.

 

4. Effektive Hausaufgaben
Hausaufgaben sind ein Thema, an deren Sinn sich seit Generationen die Geister scheiden. Unter dem Titel "Hausaufgaben: Zeitverschwendung oder wichtiger Beitrag zum Lernen?" hielt nun Professor Ulrich Trautwein einen Vortrag. Dabei ging es vor allem darum, wie Hausaufgaben von den Schülern aufgenommen werden. Hausaufgaben nach dem Motto "viel hilft viel" zu vergeben, hat keinen Sinn. Wenn sie als lästige Pflicht angesehen werden, werden sie nur mit Widerwillen erledigt. Ähnliches ist bei Hilfe durch Eltern zu beobachten: Wenn diese auf Anfrage des Kindes hin helfen, sei dies gut, wenn sie allerdings ständig dazukommen, führt das zu einem Gefühl des kontrolliert-werdens und behindert die Selbstständigkeit. Das grundsätzliche Leistungsdenken vieler Eltern erreicht also genau das Gegenteil, zudem führt es zu einem erhöhten Streitpotenzial bei schlechten Noten, was das Verhältnis des Kindes zum Elternhaus nachhaltig schädigen kann.

 

5.Waldprojekt
Rund 200 Kilogramm Äpfel und Birnen wurden nun zur Erntezeit von Schülern der Ofterdinger Burghofschule gesammelt und zu Saft verarbeitet. Das Obst stammte von fünf der neun an die Schule als Patenschaft übertragenen Bäume. Der Unmut gegenüber der Gemeinde ist trotzdem groß, denn die Bäume sind vollkommen verwildert. Die Aktion ist Teil eines neuen Konzepts der Schule, an der alle Jugendlichen an einem Großprojekt teilnehmen müssen. Dafür wurde mit dem sogenannten "Waldprojekt" eine Alternative zum althergebrachten Schultheater geschaffen. Ziel des Projektes ist es, den Kindern die Natur wieder näher zu bringen; denn Kenntnisse in Flora und Fauna gehen diesen zum größten Teil ab. Dafür geht es einmal in der Woche hinaus zu einem kleinem Grundstück in Nähe des Waldspielplatzes. Dort pflegen die Schüler die Vegetation und lernen sie kennen, ein Motivationsproblem seitens der Schüler besteht nicht. Sie haben laut ihren Lehrern "richtig Bock" darauf.

 

6.Psychischer Teilhabeplan
Die Teilhabe geistig und körperlich Behinderter sowie psychisch erkrankter Menschen war das Ziel des Teilhabeplans, der in dieser Woche in Tübingen fertig gestellt wurde. Auch wenn die angedachte Dauer von 1,5 Jahren für die Erhebung dieses Plans ein wenig überschritten wurde, ist er nun fertig. 2005 wurde die Aufgabe der Eingliederungshilfe von Wohlfahrtsverbänden auf die lokalen Träger umgelagert, die nun dafür verantwortlich sind. Die Erstellung des sogenannten Teilhabeplans enthält Handlungsempfehlungen und soll eine Informationsgrundlage für Politik und Öffentlichkeit schaffen. Da man in diesem Prozess auch viel Wert auf eine umfassende Beteiligung legte, wurden auch niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten mit einbezogen sowie die Agentur für Arbeit. Der Fokus lag auf den Betroffenen und es wurde vor allem die Frage behandelt, was zusätzlich zu Bestehendem nötig sei.

 

7. Doppelspitze
Der Tübinger Hölderlinturm hat ein neues Leitungs-Team: Ramona Gresch als Geschäftsführerin und Helge Noack als Museumsleiterin teilen sich die Posten, die ihre Vorgängerin Valierie Lawitschka bis zu ihrer Rente inne hatte. Gresch ist zwar noch in der Probezeit, wird aber, danach und auch nach der umbaubedingten Schließung des Turms im nächsten Jahr, der Gesellschaft weiterhin zur Verfügung stehen. Noack, die bereits seit sieben Jahren im Haus mitarbeitet wird bis zum Schließungstermin nächsten Sommer als Teilzeit-Museumsleiterin mitarbeiten und wird sich auch voraussichtlich danach wieder bewerben. Für dieses Jahr und auch für das darauf folgende ist eine Reihe an Kulturveranstaltungen geplant. In diesem Jahr erwarten den Besucher noch eine musikalische Kalenderlesung, eine Lesung mit Lyrikerin Karin Kiwus, ein Abend mit Tübingens ehemaligem Stadtschreiber Rolf Hermann und noch viele weitere spannende Themen.

 

8. Architekturpreise
Der Hugo-Häring-Preis gilt als der bedeutenste Architekturpreis in Baden-Württenberg. In einem ersten Auswahlverfahren wurden dreizehn Gebäude für den Preis ausgewählt. Der Preis wird im Abstand von drei Jahren vom Bund deutscher Architekten (BDA) vergeben. Zu den prämierten Objekten gehört unter anderem die Stadthalle in Reutlingen, das Zentrum der Molekularbiologie der Universität Tübingen, der Polizeiposten in Mössingen und das Bildungszentrum Johanneum in Tübingen. In einer Ausstellung am 27. November in Reutlingen werden die ausgezeichneten Objekte vorgestellt.

 

9. Troia-Publikation
25 Jahre dauerte die Troia-Forschung der Universität Tübingen. Von 1988 bis 2005 wurde sie von Manfred Korfmann geleitet, nach seinem Tod übernahm Ernst Pernicka die Leitung. Pernicka stellte vergangene Woche im Tübinger Schloss den ersten von sechs geplanten Bänden der Troia-Publikation vor: „Troia 1987-2013, 1. Forschungsgeschichte, Methoden und Landschaft“. Weitergeforscht wird in Troia von dem türkischen Archäologen Prof. Rüstem Aslan von der Universität Canakkale. Allerdings soll dort, wo die Forscher die bronzezeitliche Unterstadt Troias vermuten, ein großer Busparkplatz gebaut werden, für die erhofften 2 Millionen Besucher des neuen Museums, dessen Eröffnung für 2015 geplant ist.

 

10. Neue Kehrmaschine
Die Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR) stellten letzten Dienstag in Ohmenhausen ihre neue Straßenkehrmaschine vor. Man sei mit dem 18-Tonner mit 240 PS und 191 000 € teuer durchaus zufrieden, so der stellvertretende TBR-Leiter Matthias Kuster. Die neue emissionsarme Maschine ist die zweite, die nun den TBR auf den Straßen unterstützt. Sie entfernt Schmutz nicht nur effektiver von den Straßen, sondern sorgt auch dafür, dass Staub und Schmutz nicht in die Luft gelangen. Dies ist durch einen Wasserfilter gewährleistet, der Schmutzpartikel bindet. Außerdem ist die neue Straßenkehrmaschine mit einem langen Rohr ausgestattet. Dieses wird verwendet, um die „Unterflurpapierkörbe“ in der Reutlinger Fußgängerzone und in der Steinachstraße in Betzingen zu leeren. Früher habe man die Papierkörbe zwei Mal täglich leeren müssen, jetzt reiche dies ein Mal in der Woche, so Darius Augustin. Die Arbeit gehe den 30 Mitarbeitern der Stadtreinigung deshalb aber nicht aus.

 

11. Freihandels-Podium
In der Reutlinger Volkshochschule diskutierten letzten Sonntag Vertreter aus Politik über das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA. Die Kritiker befürchten eine Fülle von Nachteilen. Das Abkommen würde der globalen Wirtschaft mehr Macht gegenüber der Politik einräumen. Der Verbraucherschutz würde untergraben und die Standards auf beiden Seiten. Etwa beim Mindestlohn und der Vergabe öffentlicher Dienstleistungen in Europa, aber auch bei der Medikamentenzulassung oder den Auflagen für die Tabakindustrie in den USA. Der SPD-Vertreter sah in TTIP als Einziger die Chance, Globalisierung zu gestalten. Ein weiterer Kritikpunkt an dem Abkommen sind die geheimen Verhandlungen. Das sei nicht demokratisch.

 

12. Wirtschaftsethische Installationen
Im Weltethos-Institut in Tübingen ist eine neue Ausstellung eröffnet worden. Sie trägt den Titel "querhandeln" und ist ein Projekt zusammen mit dem Institut für Medienwissenschaft. Die Studierenden haben insgesamt sieben Exponate zum Thema Wirtschaftsethik gefertigt. Die Installationen sprechen Besucher direkt an und thematisieren Probleme wie das Wegwerfen von Lebensmitteln, die Verschmutzung der Umwelt durch die Industrie oder der Umgang mit Lebensmitteln. Die Ausstellung hat außerdem einen interaktiven Bereich. Hier können sich die Besucher selbst Gedanken zum ethischen Handeln machen und Ideen einbringen. Im Fokus steht bei dieser Ausstellung vor allem der Endverbraucher und welche Möglichkeiten es gibt ethisches Handeln auch im Alltag durchzusetzen. Die Ausstellung ist noch bis zum 21. November im Weltethos-Institut zu sehen.

 

 




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