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Nachrichten vom 05.09.2014

Rechtslastiger Verlag

Eine Dokumentation über den Rottenburger Kopp-Verlag legt die Rechtslastigkeit des Verlagsprogramms dar. Darin seien latent rassistische Thesen und krude Verschwörungstheorien vertreten. Die Herausgeber möchten mit der Dokumentation Kritik an äußerst problematischen Thesen, Ideologien und Geschichtsdarstellungen äußern. Der Kopp-Verlag sei kein normaler Versand-Buchladen oder Verlag, sondern wegen seiner Rechtslastigkeit ein politischer Tendenzbetrieb im Mediensektor. Er verbreite einen völkisch grundierten Antikapitalismus mit häufig antisemitischen Tendenzen. In der Sparte Politik finden sich dazu geschichtsrevisionistische und antisozialstaatliche Veröffentlichungen gegen Arbeitslose und Sozialindustrie. Außerdem sind auch NPD-Funktionäre unter den Autoren. Zum rechtslastigen Angebot gesellen sich esoterische und naturheilkundliche Veröffentlichungen sowie Bücher über Außerirdische und Ufos. Einflussreiche Rottenburger Kreise hielten das Verlagsprogramm für unproblematisch. Den Kritikern am Kopp-Verlag wirft man gerne Zensurversuche und eine böse Masche vor. Verlagschef Jochen Kopp darf im Schwäbischen Tagblatt auf fünf Spalten seine persönliche Stellungnahme zur Dokumentation verbreiten. Er spricht von einem tendenziösen und manipulativen Pamphlet von Gesinnungspolizisten und Möchtegern-Inquisitoren.

Autisten unterstützen

Der Gomaringer Freundeskreis Mensch baut derzeit einen neuen Fachdienst für von Autismus Betroffene auf. Ansprechpartnerin und Coordinatorin ist die Heilerziehungspflegerin Conny Stöhr, die pädagogische Leitung hat Horst Kitzka. Autismus ist angeboren und gilt als unheilbar, aber therapierbar. Die Betroffenen sind in ihrer sozialen Interaktion eingeschränkt, Wahrnehmung und bewusste Motorik sind gestört. Bekannt sind die sogenannten Inselbegabungen, die zu außergewöhnlichen Leistungen in einem Teilbereich führen können. Da Autismus sich sehr unterschiedlich auswirkt, muss auch die Betreuung individuell zugeschnitten sein. Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit den Eltern der Betroffenen. „Autisten können sich nicht an unsere Lebenswelt anpassen,“ erklärt Horst Kitzka. „Deshalb müssen wir die für sie passenden Bedingungen schaffen.“

Gehirn Strategien

Wenn das Gehirn eine Telefonnummer aus dem Gedächtnis abrufen muss ist es große Anstrengung, wenn jemand irgendwelche Zahlen dazwischen ruft. Das Gehirn muss dann die die störende Nachricht so gut es geht ignorieren um nicht zu vergessen was es eigentlich gerade tut.Um herauszufinden, wie dem Gehirn das gelingt, brachten Neurobiologen der Uni Tübingen Rhesusaffen in eine ähnliche Situation: Die Tiere mussten sich die Anzahl von Punkten auf Testbildern merken und kurz darauf wiedergeben. Während der Merkphase wird kurz ein Störreiz dargebracht, der eine andere Anzahl anzeigte. Obwohl es die Affen schafften das zu ignorieren, wurde sie dennoch abgelenkt und ihre Denkleistung verschlechterte sich. Bei gleichzeitigen Messungen der Nervenzellenaktivität aus zwei Hirnarealen zeigt sich Überraschendes: Nervenzellen des Stirnlappen reagierten auf den Störreiz, stellten aber sofort nach ihm wieder die „alte“ Information wieder her. Anders die Nervenzellen des hinteren Scheitellappen, die vom Störreiz unbeeindruckt die richtige Anzahl an Punkten speicherten. Dazu Professor Andreas Nieder: „Unsere Ergebnisse erfordern ein Umdenken. Die Aufgaben und Strategien Hirnareale sind anders verteilt als bisher gedacht.“

Bücherstadt

Glücklich die Daheimgebliebenen, die noch nicht Verreisten oder bereits Wiedergekehrten – und die Besucher Tübingens: vergangene Woche bot ihnen das sommerliche Kulturprogramm als besonderes Highlight eine literarische Stadtführung von Theologieprofessor Karl-Josef Kuschel. Gefolgt von einer zu Beginn 70 Zuhörer zählenden, jedoch ständig wachsenden Schar andächtig Lauschender zog er vom Cotta-Stammhaus gegenüber der Stiftskirche zu Wilhelm Hauffs Unterkunft in der Haaggasse. Den Verleger Cotta nannte er einen "Napoleon des Geistes" und Hauff einen "genialen Parodisten und Satiriker", den man nicht auf seine Märchen festlegen sollte. Auf dem Holzmarkt ging es um den pietistisch-missionarischen Familienhintergrund Hermann Hesses. Nach dem Mohr-Siebeck-Verlag gelangte man über die Genealogie der Osiander-Familie zum "Haifischbecken" des modernen Buchmarktes. Zum Glück ist Tübingen laut Kuschel nicht nur eine "Literatur verfertigende" sowie „Literatur verlegende“, sondern auch eine "verschmökernde Stadt".

Literatursommer

Der "Literatursommer" findet alle zwei Jahre statt. Tübingen ist zum vierten Mal dabei, wenn auch in etwas geringerem Umfang als 2012. Michael Raffel hat sich auch diesmal wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Während das Über-Motto des "Literatursommers" sich mit dem zivilgesellschaftlichen Engagement in der Literatur beschäftigt, hat Tübingen eine damit verbundene Veranstaltungsreihe ersonnen, die "Jahrhundertrebellen" heißt. Fünf Veranstaltungen, fünf Jahrhunderte: Vom 16. bis zum 20. Jahrhundert wird der Bogen geschlagen. Nicht ganz chronologisch, denn es beginnt am Donnerstag, 11. September mit dem 17. Jahrhundert. Das 16. Jahrhundert kommt dann am Mittwoch, 1. Oktober, am Freitag 3. Oktober ist 18. Jahrhundert, am Dienstag, 14. Oktober ist 19. Jahrhundert dran und schließlich am Donnerstag, 16. Oktober das 20. Jahrhundert.

Wohnungsnot in Reutlingen

Erschwingliche Mietwohnungen sind in Reutlingen Mangelware. Für die, die leer ausgehen, hat das drastische Folgen. Bei der Reutlinger Wohlfahrtsverbändem kommen sie hautnah an. Deshalb haben sie die Wohnungsort zum Hauptthema des Jahres gemacht. Bei der Arbeiterwohlfart (AWO) ist sie das schon lange. Aber einen derart starken Anstieg von Personen, die in Wohnungsnot geraten sind, haben die Mitarbeiter bisher noch nicht erlebt. Im nächsten Jahr soll es eine weitere Oase geben. Die GWG stellt ein Gebäude zur Verfügung und die städische Wohnungsbaugesellschaft macht sich dann an die Sanierung. Die AWO wird später die Bewohner der acht Appartments betreuen.

Solidarischer Arbeitseinsatz

Eine Gruppe von Freiwilligen aus Tübingen und Reutlingen war eine Woche in der Toskana zu einem solidarischen Arbeitseinsatz in der Gedenkstätte von Sant'Anna di Stazzema. Dort hatten Soldaten der Waffen-SS 1944 ein Massaker an 560 Menschen begangen. Unter den Opfern war auch Carla Kurz, die Urenkelin des Reutlinger Schriftstellers Hermann Kurz. Die Freiwilligengruppe half dem Opferverein von Sant'Anna im Friedenspark beim Fugen putzen, Hecken schneiden, Gras mähen und Gestrüpp entfernen. Bei Gedenkveranstaltungen gab es intensive Gespräche und Kontakte mit den Menschen vor Ort.

Katastrophen-Übung

Bei Hechingen wurde am vergangenen Samstag eine Massenkarambolage mit insgesamt 160 Einsatzkräften inszeniert. Dazu wurden auf der alten B32 eigens zehn Fahrzeuge und 29 Personen postiert, welche mit Theaterblut und anderem realistisch hergerichtet wurden. Die Jahresübung der Hechinger Feuerwehr verlief reibungslos und schneller als gedacht, womit sie als Testlauf für die Übung im kommenden Jahr auf der B27 ein positives Ergebnis einbrachte. Das Resumée der Einsatzkräfte ist eindeutig, sie sind für die immer häufiger auftretenden Massenunfälle gewappnet.

Wildschweinplage

Die Zahl der Wildschweine hat in den letzten Jahren in der Region erheblich zugenommen. Und damit auch die von Wildschweinen verursachten Flurschäden. Sie pflügen Äcker und Wiesen um, Sportplätze und Felder. Besonders beliebt bei den Wildschweinen sind Maisfelder. Dort können sie sich gut verstecken und es gibt reichlich Nahrung. Landwirte und Jäger streiten sich um die Bekämpfung der Wildschweinplage. Die Bauern behaupten, die Jäger müssten mehr Wildschweine abschießen, die Jäger entgegnen, mehr Maisfelder lasse die Population ansteigen. Die Jagdpächter müssen den Bauern die Wildschäden ersetzen. Im neuen Landesjagdgesetz sollen die Bauern 20 Prozent der Wildschäden in Maisfeldern selber bezahlen.




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