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Beiträge & Artikel

Nachrichten vom 24.02.2014

Zelle im Ausschuss

Der Finanz- und Verwaltungsausschuss des Reutlinger Gemeinderats hat sich in seiner letzten Sitzung ausschließlich mit dem autonomen Jugendzentrum Zelle befasst. Die CDU-Fraktion hatte eine diesbezügliche Anfrage gestellt. Sie fordert Transparenz und objektive Darstellung, in der Sitzung kam allerdings nur die Polizei zu Wort, niemand von der Zelle selbst. Der Leiter des Reutlinger Polizeireviers sagte, dass bei größeren Veranstaltungen Konsumenten und Dealer von außerhalb kämen. Er beklagte die mangelhafte Zusammenarbeit und die Konfrontation mit der Zelle. Einige Gemeinderäte kritisierten diese Darstellung als zu einseitig. Ein allgemeines gesellschaftliches Problem werde nur auf die Zelle heruntergebrochen. Es ginge im Verhältnis zu viel um Drogen, um die Zelle als schlimm und schlecht darzustellen. Aktuell laufen Gespräche zwischen Zelle und Stadtverwaltung. Bis zum 3. März haben sie Zeit, sich auf einen Vergleich in Sachen Konzession zu einigen. Sonst muss das Gericht urteilen.

Journalisten protestieren

Rund 500 Journalisten, aber auch Drucker und Verlagsangestellte beteiligten sich am vergangenen Donnerstag an einer landesweiten Protestkundgebung auf dem Tübinger Holzmarkt. An zwei Tagen gab es Warnstreiks, die die seit Juli 2013 laufenden Tarifverhandlungen begleiteten. Die Zeitungsverleger möchten Einsparungen durchsetzen, die Gewerkschaften sehen dadurch den Qualitätsjournalismus und die Aufstiegschancen der Journalisten bedroht. Am 8. März geht es in die achte Runde der Tarifverhandlungen. Sollten diese scheitern, könnte eine Urabstimmung der Tageszeitungs-Journalisten zu einem unbefristeten Streik führen.

 Landkreis klagt

Der Kreis Tübingen hatte 2011 einen Antrag gestellt um eine Optionskommune zu werden. Dann hätte der Kreis Langzeitarbeitslose allein betreuen können. Die Hilfe wäre dann effizienter, weil sie direkt auf die Region zugeschnitten wäre. Früher hatte man sehr gute Erfahrungen mit der Kommunalen Arbeitsförderungs-Gesellschaft KomAG im Verbund Reutlingen gemacht. Doch die Bewerbung des Kreises Tübingen wurde 2011 von der damaligen Stuttgarter CDU/FDP-Koalition abgelehnt, obwohl der Kreistag der Bewerbung fast einmütig zugestimmt hatte. Gegen diese Ablehnung hat der Kreis Tübingen zusammen mit 15 anderen Kommunen vor 2 Jahren Beschwerde eingelegt. Über diese hat sich das Bundesverfassungsgericht am 15. Januar 2014 beraten. Eine Entscheidung wird es vermutlich in drei bis vier Monaten geben. Landrat Joachim Walter wollte keine Prognosen über die Entscheidung geben, er sieht jedoch Chancen, recht zu bekommen. Wenn dieser Fall tatsächlich eintritt, dann müsse man extrem schnell handeln, damit die Leistungsbezieher nicht darunter leiden.

Diskussion um Straßennamen

Auf dem Tübinger Österberg gibt es die Scheefstraße. Sie ist benannt nach dem ehemaligen OB Adolf Scheef, der von 1927-39 im Amt war. Der Gemeinderat möchte die Straße jetzt umbenennen, eine Mehrheit der Anwohner ist dagegen. Grund für die angestrebte Umbenennung ist Scheefs Förderung der Politik der Nationalsozialisten. Außerdem habe Scheef die Verfolgung von Gegnern und Juden geduldet. In seiner Amtszeit sei Tübingen zur Parteistadt geworden. Zahlreiche Bauprojekte haben die Nazis mit städtischem Vermögen und mit Scheefs Wohlwollen verwirklicht: die SA-Motorsportschule, die Reichsbräuteschule, das Kriegslazarett und die Gartenstadt als Siedlung für Volksgenossen. Die Anwohner sind gegen die Umbenennung der Scheefstraße, weil eine Adressänderung Mühen, Kosten und Zeitaufwand bedeuteten. OB Palmer hatte die Übernahme der Kosten versprochen.

Kurs für Begleiter

Der Tübinger Arbeitskreis Leben bietet Betreuung in Krisen oder bei Suizidgefährdung an. Hierfür gibt es Ehrenamtliche, die die betroffenen Menschen begleiten. Zur Zeit gibt es bei Arbeitskreis Leben 26 Krisenbegleiter. Da die Hilfe immer sehr schnell erfolgen muss, wird im April ein neuer Ausbildungskurs beginnen. Die Ausbildung umfasst insgesamt ca. 70 Stunden, über ein halbes Jahr verteilt, an Abenden und Wochenenden. Die Teilnahme am Kurs kostet 140€ und man verpflichtet sich, sich mindestens 2 Jahre für den Arbeitskreis Leben zu engagieren. Der Kurs besteht aus Theorieteilen, wie auch praktischen Übungen. Nach dem Kurs gibt es alle 14 Tage verbindliche Supervisionsgruppen. Im Prinzip kann jeder Krisenbegleiter werden, egal ob Student, Berufstätiger oder Rentner. Natürlich muss man bestimmte Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit oder Einfühlungsvermögen auf jeden Fall mitbringen. Auch sollte man sich in einer stabilen Lebenssituation befinden. 2012 haben sich 621 Menschen an diese Beratungsstellen in Tübingen und Reutlingen gewandt – 52 Menschen haben sich in dieser Zeit in den Landkreisen das Leben genommen. Zweimal wöchentlich informiert sich der Arbeitskreis Leben bei den Kliniken, ob es Suizidversuche gab, so kann schnell Hilfe angeboten werden. Beim Arbeitskreis Leben handelt es sich nicht um eine Therapie sondern nur um Begleitung, sozusagen eine Beziehung auf Zeit. Die Dienste kann man kostenlos nutzen und später nach eigenem Ermessen zahlen.

Regionale Schulentwicklung

Am vergangenen Donnerstag diskutierte der Sozial- und Kulturausschuss des Kreistags über die Planung der regionalen Schulentwicklung. Das Ziel der Planung ist es, dass alle Schüler in zumutbarer Entfernung zu ihrem Wohnort einen Schulabschluss machen können, der ihren Begabungen entspricht. Darauf wies Landrat Joachim Walter zu Beginn der Sitzung hin. Es wurde daraufhin über den demografiebedingten Schülerschwund, das Streben nach höherer Bildung und politische Vorgaben gesprochen. Roland Hocker, Leiter des staatlichen Schulamts prognostizierte für 2016 ein durchgängig zweigliedriges System. Die regionale Schulentwicklung solle ein Konzept hervorbringen, das die nächsten zwanzig Jahre stabil sein wird, so sein Ziel. Drei Planungsbezirke sind vom Schulamt vorgesehen: die Region eins um Tübingen, die zweite Region um Rottenburg und die dritte Region um Mössingen. Einig ist sich der Kreis, dass eine enge Kooperation mit den beruflichen Schulen angestrebt wird. Laut Hocker solle die Zusammenarbeit zwischen beruflichen Schulen und Gemeinschaftsschulen bis hin zu einem gemeinsamen Lehrereinsatz gehen. Im April sollen sich Vertreter der beiden Schularten zusammensetzen. Es wurde sich zudem klar gegen Versuche an den Gymnasien wieder G9 einzuführen, positioniert. Kreisrätin Rita-Haller Haid warnte vor der Gefahr, dass man sich gegenseitig die Schüler abspenstig mache.

Diskussion über Hagelabwehr

Der Hagelsturm vom 28. Juli 2013 verursachte in der Region Reutlingen und Tübingen mit über fünf Zentimeter großen Körnern Schäden von etwa 1,25 Milliarden Euro. Vergangenen Donnerstag diskutierten Experten im Technischen Ausschuss des Landkreises Reutlingen über eine mögliche Hagelabwehr per Flugzeug. Damals seien zwei gleich starke Gewitterzellen entstanden, so die Experten, die nördliche wurde rechtzeitig von Hagelabwehrfliegern geimpft. Dabei versprühen zweimotorige Flugzeuge über sich bildenden Gewitterzellen eine Azetonlösung, in der Silberjodid aufgelöst ist, um die Bildung kleinerer Hagelkörner zu bewirken. Die Region Stuttgart gibt jährlich etwa 260 000 Euro für die beiden Flugzeuge sowie einen meteorologische Frühwarn-Dienst aus. Die Kritiker bezweifelten die Wirksamkeit der Methode bei einem Hagelsturm besonderer Stärke und wiesen auf die Giftigkeit des Silberjodids hin, das dabei freigesetzt wird. Die Befürworter erklärten, in den von der Hagelabwehr betreuten Gebieten hätten die Hagelereignisse seither abgenommen, während sie im übrigen Baden-Württemberg stetig zugenommen haben. In den USA gibt es die Hagelabwehr schon länger, da habe man in Studien keine Werte des Silberjodids in der Umwelt nachweisen können. Sollte Reutlingen dem Schutzgebiet beitreten, wäre ein weiteres Flugzeug mit Kosten von etwa 150 000 Euro pro Jahr notwendig, die der Landkreis aufbringen müsste. In den USA wird die Hagelabwehr von den Versicherungen bezahlt. Vertreter der Sparkassen-Versicherung ließen bislang wissen, daß diese nicht an die Präventionsmöglichkeit durch Flugzeuge glaube.

Neue Methode

Der „schwarze Hautkrebs“ sorgt für die meisten Todesfälle, auch wenn es sich nur in 5% wirklich um die sogenannten Melanome handelt. Professor Anja Ulmer der Universitätshautklinik Tübingen und Professor Christoph Klein vom Universitätsklinikum Regensburg haben festgestellt, dass bei Krebspatienten die Überlebenschancen von der Anzahl der Krebszellen im Wächterlymphknoten im Verhältnis zu den Lymphknotenzellen abhängen. Der Wächterlymphknoten ist derjenige Lymphknoten, der dem Tumor am nächsten liegt. Durch diese neue Methode kann wertvolle Zeit durch bessere Therapieplanung gewonnen werden. Bei Patienten mit schwarzem Hautkrebs wird der Wächterlymphknoten entfernt und nun auf Melanomzellausbreitung untersucht. Es ist sehr schwierig melanompositive von melanomnegativen Lymphknoten zu unterscheiden. Doch die Arbeitsgruppe von Anja Ulrich hat eine Methode entwickelt, die das vereinfacht. Der Lymphknoten wird durch ein feines Sieb gedrückt, sodass sich Melanomzellen und gesunde Zellen lösen. Die Melanomzellen werden dann durch eine Färbung markiert. Je nach Befund kann die Behandlung angepasst und für den jeweiligen Patienten optimiert werden.

Neues von der Milchstraße

Tübinger Forscher haben in der Fachzeitschrift "Astronomy and Astrophysics" einen Artikel über die neueste Sensation in der Milchstraße veröffentlicht. Es ist der längste Röntgenjet, der bisher hier beobachtet wurde. Er hat eine Länge von 37 Lichtjahren. Ein Röntgenjet ist ein Strahl aus hochenergetischen Teilchen, der aus einer Supernova hervorgeht. Zuerst entdeckt wurde das Objekt vom europäischen Forschungssatelliten "Integral". Die Forscher wollen nun herausfinden, warum der Jet so außergewöhnlich hell ist. Daraus sollen Rückschlüsse auf die Art der Supernova gezogen werden.

Keine Villa Rustica

Die Villa Rustica bei Hechingen macht Furore: neuere Funde deuten daraufhin, daß man hier nicht, wie bisher angenommen, den Gutshof eines römischen Veteranen ausgegraben hat – sondern etwas viel größeres. 2010 wurde ein dazugehöriger, für einen Gutshof weit überdimensionierter Getreidespeicher entdeckt. Auch der 1992 entdeckte Sakralbereich mit zehn kleinen Kapellen und vielen Skulpturenteilen überschreitet den Bedarf eines römischen Rentners mit einer „Villa Rustica“. Die Umfassungsmauer mit ihren Ecktürmen hatte auch eher eine repräsentative als eine wehrhafte Funktion. Vielleicht würde ja die Ausgrabung der Römerstrasse im Starzeltal mehr Licht ins archäologische Dunkel bringen – aber die liegt unter einer meterdicken Sedimentschicht. Am meisten hofft Ausgrabungsleiter Stefan Schmidt-Lawrenz jedoch auf die Entdeckung einer Latrine. Denn um etwas über den Alltag der Römer herauszufinden, erklärt er, gäbe es nichts Besseres.

125 Jahre Geschichtsverein

Zu seinem 125. Jubiläum zeigt der Reutlinger Geschichtsverein im Rathaus eine Vitrinenausstellung mit Objekten aus der Geschichte der Achalmstadt und des Vereins selbst. Er ist einer der ältesten seiner Art im Land. Entsprechend umfassend ist auch die Sammlung. In einer Daueraustellung zeigt der Verein einige Objekte auch im Reutlinger Stadtarchiv. Die Vitrinenausstellung ist jedoch zum Jubiläum besonders aufbereitet. Ein kleines Rahmenprogramm ist ebenfalls geplant: So erzählt am 19. März Prof. Eugen Wendler aus dem Leben des bedeutenden Reutlingers Friedrich List, der in diesem Jahr seinen 225. Geburstag gefeiert hätte. Die Ausstellung ist noch bis Ende April zu sehen.

Erfolgreiche Kunstvermittlung

In der Druckwerkstatt des Spendhauses in Reutlingen sind zurzeit die Werke eines gelungenen Kooperationsprojektes zu sehen. Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 8 und 9 von der Peter-Rosegger-Schule lernten im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus verschiedene Arten des Druckens kennen. Sieben Wochen lang waren die Jugendlichen dort aktiv. Sie beschäftigten sich mit Bildern unterschiedlicher Ausstellungen, auch Musik wurde zur Annäherung an Themen eingesetzt. Inhalte, welche die Schüler besonders bewegten, wurden vertieft. Die Ausstellung zeigt nun ihre Druckergebnisse zu den Themen Bäume, Masken und Liebe sowie Fotos des Projekts. Beteiligt war die Lehrerin Maria Zöllner, zwei Studentinnen der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und die Museumspädagogin Kerstin Rilling. Durch die Kooperation seien die Schüler selbstständiger und selbstbewusster geworden sowie untereinander zusammengewachsen, erklärt Maria Zöllner. Die Kooperation soll nun zur festen Einrichtung werden.



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