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Nachrichten vom 23.08.2013

Vielfalt in Reutlingen

ein Magazin für alle – so heißt ein neues Heft für bildungsorientierte Migranten in Reutlingen. Zammà also zusammen lautet der Obertitel. Herausgegeben haben es das Integrations- und Bildungszentrum mit dem Netzwerk Migration, der Stadt und der Zeitenspiegel-Reportageschule. Das Heft bündelt Informationen über das Bildungs-Angebot und das Engagement von Initiativen und Vereinen. Der Serviceteil ist auf Migranten zugeschnitten, die Reportagen und Kurzportraits sind für alle interessant. Die nächste Ausgabe ist schon in Planung. Finanzielle Förderung kommt noch bis 2015 vom Programm der Baden-Württemberg-Stiftung: Vielfalt gefällt! 60 Orte der Integration.

Spendabel geradelt


Ein Zeitungsartikel hat den Unternehmensberater Markus Weber aus Emmendingen bewogen, 14 000 km mit dem Rad zu fahren. 9 Monate hat er dafür gebraucht und es ist ihm gelungen, über seinen Blog 5000 € für den Reutlinger Freundeskreis von St. Camille zu sammeln. Der Artikel hatte von dem Schicksal psychisch Kranker in Afrika berichtet, die an Bäume gekettet vor sich hin vegetieren, da man sie dort für von Dämonen Besessene hält. Die Organisation St. Camille de Lellis ist ein Therapiezentrum in Reutlingens Partnerstadt Bouaké. Markus Weber konnte sich am Ziel seiner Radtour davon überzeugen, dass einigen der ehemaligen „Kettenmenschen“ dort so gut geholfen wurde, dass sie jetzt als Personal arbeiten können. 60 000 € wendet der Freundeskreis jährlich auf, um die Patienten von St. Camille versorgen zu können.


Programmkino-Initiative


„Kaufen Sie sich Ihr Stück von der Traumfabrik!“ – Mit diesem Slogan wirbt die Initiative für ein genossenschaftliches Programmkino in Reutlingen zurzeit für ihr Ziel ein alternatives Programmkino in Reutlingen aufzubauen. In den kommenden Monaten soll eine gemeinnützige Genossenschaft entstehen, welche sich dann um die Verwirklichung kümmert. Zu den Beteiligten gehören Gabriele Janz, Karin Zäh, Klaus Kupke, Andreas Vogt und Friedemann Stelzer. Gemeinsam wollen sie „mehr Filmkultur in Reutlingen erreichen“.  Im Programmkino sollen dann Filme aus „allen Kulturen und Kontinenten“ gezeigt werden. Zudem soll das Kino ein angenehmes Ambiente besitzen und barrierefrei zugänglich sein. Über entsprechende Räumlichkeiten seien derzeit noch Verhandlungen im Gange, so Gabriele Janz. Momentan ist im Spitalhof des Open-Air-Kinos in Reutlingen ein Infostand der Initiative aufgebaut. Bei Interesse kann man sich aber auch telefonisch an die Initiative wenden. Die entsprechende Nummer lautet: 07121/129177, per Mail an info@programmkino-reutlingen.de.


Engste Straße in Gefahr


Reutlingen fürchtet um eine seine größten Touristenattraktionen. Die Spreuerhofstraße steht als engste Straße der Welt im Guinness-Buch-der-Rekorde. Die Gasse wurde 1726 nach dem damaligen Stadtbrand erbaut und diente vermutlich als Fluchtweg. Eine Karte von 1820 weist sie als Ortsweg aus und somit offiziell als Straße aus. Nun allerdings neigt sich die Wand des Gebäudes Nummer 9 und somit auch die Fachwerkkonstruktion des Anbaus in die Gasse. Die sich neigende Wand, welche momentan nur von einem Holzbalken provisorisch gestützt wird, müsste daher saniert werden. Der Eigentümer des Gebäudes, Dr. Rall, betreibt  derzeit noch sein Baubüro von dem Gebäude aus, will dieses aber verkaufen oder vermieten. Zu einer Einigung mit der Stadt ist es bisher noch nicht gekommen.


Forschungsdefizite


Am Institut für Evolution und Ökologie der Uni Tübingen wurde der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Veränderungen ökologischer Systeme analysiert. Die beiden Tübinger Ökotoxikologen Heinz Köhler und Rita Triebskorn konnten dabei Defizite in der Forschung ausmachen. Diese Defizite führen dazu, dass viele Folgen biochemischer Pestizidwirkungen auf die Populationsstrukturen einer Art oder die Zusammensetzung von Artengemeinschaften nicht erkannt werden. „Obwohl zahlreiche Indizien für Veränderungen von Tierpopulationen oder Biozönosen durch Pestizideinsatz vorliegen, existieren nur wenige Studien, die diesen Zusammenhang zweifelsfrei nachgewiesen haben“, so die beiden Wissenschaftler. Besonders wichtig sind bislang Studien, die verschiedene Methoden und Analysen kombinieren. Die beiden Forscher stellen außerdem Prognosen zu Wechselwirkungen zwischen Pestizideffekten und der globalen Erwärmung. Sie fordern die bessere Erforschung von Pestizidwirkungen auf allen Ebenen steigender biologischer Komplexität.  


Störende Kühlung


Das Brummen eines Kühlwerks auf dem Dach des neuen "Zentrums für die Molekularbiologie der Pflanzen" geht einigen Bewohnern der Wanne gehörig auf die Nerven. Zwar ist es nicht besonders laut, aber ständig präsent und wird von vielen daher als zermürbend wahrgenommen. Da man nicht von allen Häusern, die im Radius des Geräuschs liegen, den Verursacher sehen kann, dauerte es eine Weile bis das Kühlwerk als der Störenfried entlarvt wurde. Daraufhin wurde festgestellt, dass das Kühlewerk nicht in Ordnung war - doch die Neueinstellung minderte zwar das Brummen etwas, zu hören ist es aber noch immer. Da die Belästigung unterhalb der Grenzwerte liegen, gibt es für die Behebung der Lärmbelästigung keine Unterstützung aus dem Landeshaushalt. Die Anwohner sammelten daher Unterschriften um sich zu beschweren. Dennoch hofft man auf eine unbürokratische Lösung - was im Notfall bedeutet, dass das ganze Kühlwerk ausgetauscht und mit einem Lärmschutz versehen werden muss. Die Auseinandersetzung zwischen den Anwohnern und dem Amtsleiter verlief bisher aber friedlich und kooperativ.


Ich bin keine Fallpauschale


Die Tübinger Uni-Kinderklinik ist nicht die einzige, die regelmäßig rote Zahlen schreibt. Der Grund ist oftmals, dass schwere Fälle von den Krankenkassen nicht ausreichend vergütet werden. Extremfälle dieser Art haben im letzten Jahr 2,2 Millionen Euro des Verlusts ausgemacht. Auf den resultierenden Spardruck und Personalabbau reagiert nun die bundesweite Aktion „Ich bin keine Fallpauschale,“ der sich bereits 13 Vereine und 2 Stiftungen angeschlossen haben. Dadurch war es beispielsweise im vergangenen Jahr möglich 10 Pflegestellen über die Aktion zu finanzieren. Neben den begleitenden Behandlungen, wird auch teilweise die reguläre Versorgung mitfinanziert, welche eigentlich vom Land bezahlt werden müsste. Die Entscheidung, was über die Aktion finanziert wird, trifft der Spendenbeirat, in dessen Gremium Spender, Vereine und Klinikpersonal vertreten sind. Obwohl Personalmangel immer noch eines der größten Probleme darstellt, erfährt die Aktion auch Unterstützung von der Klinikleitung. Die Bundesregierung hat zwar einen Versorgungszuschlag für Kliniken beschlossen und will bis Ende 2014 die Finanzierung bei Extremfällen neu regeln, dennoch bezweifeln die Beteiligten, dass sich dadurch an der akuten Finanznot etwas ändert.


10 Jahre Frauenakademie


Die Tübinger Frauenakademie am Tübinger Universitätsklinikum feierte am 21. August  ihr 10jähriges Jubiläum. Für ihre Gründung und Durchführung sorgten die Baden-Württemberg Stiftung, der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte, die VHS, die Gleichstellungsbeauftragten der Universitätsstadt Tübingen und das Forschungsinstitut für Frauengesundheit. Sie berät auch in Schulen und Volkshochschulen in frauenspezifische Gesundheitsfragen.  Als offenes Forum gibt sie interessierten Mädchen und Frauen im Rahmen der Vorträge und Schulungen die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und aktuelle Fragen mit Betroffenen und Experten zu diskutieren. Das Angebot orientiert sich an der Nachfrage, deshalb haben sich in den vergangenen 10 Jahren auch die Themen gewandelt, einige stehen allerdings gleichbleibend im Zentrum, wie etwa die Brustgesundheit.


Schiedsrichter im Knast


Im Rottenburger Gefängnis haben jetzt Häftlinge die Prüfung als Fußball-Schiedsrichter abgelegt. Die praktischen Lehreinheiten kommen erst nach der Entlassung, weil im Knast der Platz fehlt. Der Ort der Prüfung bleibt später anonym. Die Tätigkeit als Schiedsrichter sei persönlichkeitsbildend und könne einen sozialen Anker bieten. Man müsse sich behaupten, Verantwortung übernehmen und entscheiden können. Es gehe um Regelwerk und Sozialverhalten, das Richtige oder das Falsche zu tun. Der Gefängnisdirektor freut sich, dass die Gefangenen die Prüfung wollten. Als Schiedsrichter hätten sie die Chance, selbst Richter zu sein. Nach der Prüfung kam noch Knut Kircher vorbei, der Bundesliga-Schiedsrichter aus Hailfingen. Er betonte die Bedeutung von Fitness, aber auch die schnelle und richtige Entscheidung mit Fingerspitzengefühl sei enorm wichtig.


Löwenstein-Bilanz


Rund um den Jahrestag des Generalstreiks gegen Hitler hatte der Mössinger Löwenstein-Forschungsverein eine einjährige Veranstaltungsreihe mit Lesungen, Vorträgen und Diskussionen organisiert. Im Juni waren Nachfahren der Familie Löwenstein mit 23 Personen in Mössingen und haben hier den Beginn des Schabat gefeiert. Der Forschungsverein bedauert allerdings, dass sich die Stadt nicht an der Einladung beteiligt hatte. Wenn es um den Generalstreik geht, herrscht in Mössingen Konfliktpotential. „Noch heute werden Familien diffamiert und beleidigt, ihnen wird von einer Minderheit die Anerkennung verwehrt.“ so der Forschungsverein zum Umgang mit den Nachfahren der Streikenden. Insgesamt sei durch die Veranstaltungen sichtbar geworden, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen dem Generalstreik, der Arbeitskultur in der Pausa, dem Bauhaus-Denken und dem Handeln der Brüder Löwenstein.


Bergfriedhof


Letzten Montag ging es in der Reihe „Kennen Sie Tübingen?“ um den Bergfriedhof. Obwohl Tübingen als junge Studentenstadt wenig Todeszahlen im Vergleich zu ähnlich großen Städten aufweist, gibt es dennoch an die 500 Trauerfeiern im Jahr, die auf den 13 Friedhöfen in Tübingen abgehalten werden. Von diesen 13 ist der Bergfriedhof auf dem Galgenberg der Hauptfriedhof. Dieser ist in verschiedene einzelne Gärten aufgeteilt, die jeweils einem unterschiedlichen Zweck dienen. Im Mittelpunkt des „Gartens der Zeit“ steht die Skulptur „Turmstein,“ und um sie herum soll, in Anordnung der vier Jahreszeiten, das Werden und Vergehen symbolisiert werden. Die Namen der Verstorbenen werden hier auf Pultsteinen angebracht. Aber auch ein anonymes Begräbnis ist möglich. Dies geschieht dann meist im „Garten der Erinnerung“ in einem Urnengemeinschaftsgrab, da über die Hälfte der Begräbnisse in Tübingen Einäscherungen sind. Anonyme Erdbestattungen sind im „Rosengarten“ möglich. Der „Schmetterling“ ist eine Kindergemeinschaftsgrabstätte für Totgeburten und Kinder, die nach wenigen Tagen verstoben sind. Steigende Todeszahlen machten 1944 neue Grabstätten erforderlich. Und seit dem  2. November  wurde der  Galgenberg als Hauptfriedhof genutzt.  Eine Besonderheit von Universitätsstädten sind die Überreste von Menschen, welche ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Am 26.08. wird die Reihe Kennen Sie Tübingen mit dem Thema „Die Stadt und ihre Mauern“ fortgesetzt.


Compagnia Buffo lebt


Mit der neuen Produktion "Leben" ist Willi Lieverscheidt, der Gründervater der Theatergruppe Compagnia Buffo, in die Gründungsstadt zurückgekehrt - jedoch ohne Gruppe. Vom Aufbau bis zum Ende liegt alles allein in der Hand des 67 jährigen. Allerdings ist das Rezept für seine neue Produktion "Leben", das Gleiche wie damals mit Compagnia Buffo. Es ist immer noch die selbe einzigartige Mischung aus dem Komischen, Klassischen, der Poesie, des Schabernacks und der Melancholie. Und dieses Projekt "Leben" ist nun für drei Wochen in Tübingen zu sehen, bei dem der Hauptdarsteller einfach alles ist, vom Einlasspersonal bis hin zum Beleuchter, vom treuen Sohn bis hin zur demenzkranken Mutter und dem Tod auf hohen Hacken.


 



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