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Rassismus und Sprache

Rassismus in der deutschen Sprache ist kein neues Thema. Einige Wörter und Wendungen haben eine schlimme kolonialistische oder/und nationalsozialistische Geschichte und ihre Verwendung ist oftmals sehr verletzend. Ihre Verwendung verhindert tagtäglich, dass sich Menschen in der Gesellschaft sicher und gleichwertig fühlen können. Dennoch gerät die Diskussion um rassistische Ausdrücke in der deutschen Sprache seltenst in professioneller Weise auf die öffentliche Agenda.

Im Dezember 2012 tauchte das Thema durch die Tübinger M-Kopf-Debatte in der Tübinger Öffentlichkeit auf. Ein ortsansässiger Konditor hatte eine seiner Schokoladenkreationen auf der Tübinger Chocolart „Tübinger Mohrenköpfle“ genannt. Auch im Schwäbischen Tagblatt wurde diese Spezialität unter besagtem Namen beworben. Daraufhin wandte sich, neben bundesweit aktiven Verbänden, der lokale „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“ an Konditor, Tagblatt und Stadt und wies auf die Problematik des Begriffs und sein Verletzungspotenzial für schwarze Menschen hin. Der Konditor nannte seinen Schokokuss um. Boris Palmer allerdings stellte sich nicht entschieden gegen das „Tübinger Mohrenköpfle“, sondern meinte, man müsse gegen Rassismus anders vorgehen, als durch derartige Debatten. Auch das Tagblatt griff, trotz der Bitte darum, die Problematik des Begriffes nicht ernsthaft auf. Es erschien lediglich ein Artikel des Journalisten Matthias Stelzer zu „political corectness“ und eine Online-Umfrage, ob das Gebäck weiterhin so heißen solle. Über 70 % der Umfrage-Teilnehmer waren hier gegen die Abschaffung der Bezeichnung.

Gar nicht oder unbedacht aufgegriffen von der Stadt und der Tübinger Medienlandschaft, entwickelte sich in Leserbriefspalten, Internetforen und sozialen Netzwerken eine unschöne Debatte. Hier meldeten sich Betroffene zu Wort, welche gegen die Verwendung des Begriffs sind, aber auch ihre Gegner. Die Debatte wurde unprofessionell, sogar beleidigend und aggressiv und gipfelte in privaten Drohbriefen an Betroffene. Eine kontrollierte Auseinandersetzung in professionellem Rahmen blieb aus.

Längst überfällig, wurde die Thematik von Rassismus und Sprache und vor allem die Diskussion über den Verlauf der Tübinger Debatte nun am Montag, den 25.03.13 in einem angemessenen Rahmen aufgegriffen. Das Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik und die Abteilung für Sozialpädagogik des Instituts für Erziehungswissenschaft der Uni Tübingen veranstalteten einen Abend in der Alten Aula, an dem die Problematik erstmals sinnvoll angegangen wurde.

Die Veranstaltung begann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Astrid Messerschmidt von der PH Karlsruhe: „Der Wunsch, rassistisch zu sprechen - Analysen zu einem öffentlichen Phänomen“. Es folgte ein Einwurf von Prof. Dr. Chirly Santos-Stubbe von der HS Mannheim: „Sprache und Geschichte als Alltagserfahrung“. Nach den Vorträgen schloss eine Podiums- und Publikumsdiskussion an. Hier diskutierten im Podium, neben den Vortragsrednerinnen, Annagreta König, eine Psychotherapeutin aus Tübingen und Dr. Gernot Stegert, Redaktionsleiter vom Schwäbischen Tagblatt. Er kam als Ersatz für den Journalisten Matthias Stelzer, welcher sich wegen Krankheit entschuldigt hatte. Die Moderation übernahm Andreas Foitzik. Wir waren bei der Veranstaltung dabei und möchten mit unserer Sendung ermöglichen, sich eine eigene Meinung zum Thema und der Debatte darüber zu machen.

Im ersten Teil sind die Einführung in die Veranstaltung und die Vorträge in gekürzten Version zu finden.




Natürlich haben wir auch persönlich mit den Anwesenden gesprochen.




Audio

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Beitrag-Reflexion-Sprache-und-Rassismus.mp3


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Podcast-Rassismus-und-Sprache-Podium-Teil-2.mp3


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Podcast-Rassismus-und-Sprache-Vortrag-Teil-1.mp3





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