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Nachrichten vom 24.02.2012

Rassismus in Rottenburg?

In der Weggentalstraße Rottenburg plant das Landratsamt eine Asylbewerber- Unterkunft. In sechs Wohnungen sollen 56 Menschen einziehen. Laut dem zuständigen Geschäftsbereichsleiter zur Unterbringung von Asylbewerbern Karlheinz Neuscheler, könnten dort sogar 75 Menschen untergebracht werden. Allerdings nur bei voller Ausschöpfung der 4,5 Quadratmeter, die das Gesetz einem Asylbewerber zusichern. Bei einer Informationsveranstaltung zur geplanten Unterkunft gab es von Seiten der Nachbarn Kritik. Eine Anwohnerin prognostizierte einen sozialen Brennpunkt und andere sprachen von der problematischen Parksituation in der Weggentalstraße. Einige Nachbarn sahen die Nähe zu der Carl-Joseph-Leiprecht-Schule als Problem. Das mehr Verkehr und Lärm eine Belastung sein können, egal ob es sich dabei um Asylbewerber oder Deutsche handelt, sagte Schulleiter Thomas Müller. Er bat den Landkreis den Standort nochmal zu prüfen und gegebenfalls pädagogische Unterstützung zu geben.

Generalstreik reloaded

1933 gab es in Mössingen einen Generalstreik als Zeichen des Widestandes gegen die Machtergreifung der Nazis. Im Juni erscheint im Talheimer Verlag eine Neuauflage des Buchs von 1982. Es heißt „Da ist nirgends nichts gewesen außer hier“. Neue Beiträge ergänzen den aktuellen Forschungsstand. Das Buch zum Generalstreik soll als Informationsgrundlage und Würdigung der Menschen dienen. Der Talheimer Verlag hat seit 1988 etwa 140 Bücher herausgebracht. Neben der Verlagsarbeit sind die beiden Verleger als Berater von Verwaltungen und Betrieben aktiv.

Zelle verkleidet

Am Montag zogen etwa 50 fasnachtlich vermummte Aktivisten mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Reutlinger Innenstadt zum Rathaus. Grund der Demonstration: Die Stadt Reutlingen möchte dem selbstverwalteten Jugendzentrum „Zelle“ per Verfügung den Verkauf von Alkohol untersagen. Die „Zelle“ soll nach Plänen der Stadtverwaltung eine Gaststättenkonzession beantragen. „Mit Hilfe des Gewerberechts versucht die Stadt, die Zelle in die Mangel zu nehmen. Wir sind aber weder eine Diskothek noch eine Gaststätte!“, so ein Sprecher der Zelle. Eine solche rechtliche Reglementierung würde der Zelle nur Nachteile verschaffen. Die Unterstützer der Zelle lassen sich indes nicht einschüchtern: „Die Zelle ist nicht durch einen Verwaltungsakt der Stadt Reutlingen entstanden und wird auch nicht durch einen solchen verschwinden!“

Asteroid

Ein Asteroid wurde nach dem Tübinger Astrophysiker Klaus Werner benannt. Der Himmelskörper wurde 2007 von Rolf Apitzsch des Obervatoriums Wildberg entdeckt. Apitzsch erhielt daraufhin das Benennungsrecht und wählte den Namen seines ehemaligen Professors Klaus Werner. Der Asteroid kreist alle fünf Jahre einmal um die Sonne und hat einen Durchmesser von ein bis zwei Kilometern. Werner selbst beschrieb in den 1980er Jahren eine neue Sternklasse. Außerdem erhielt er 2004 eine Urkunde vom Guinnesbuch der Rekorde, weil er das heisseste Objekt im Universum entdeckte.

Kunst statt Komasaufen

Im Kreis Reutlingen soll das DAK-Projekt „bunt statt blau – Kunst statt Komasaufen“ dabei helfen, die Zahl der Jugendlichen zu verringern, die wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Laut einer Bundesstatistik stieg in Reutlingen die Zahl der 12 bis 17jährigen so genannten Komasäufer. Im Jahr 2010 registrierte die DAK Reutlingen hier 116 Fälle von Alkoholmissbrauch durch Jugendliche. Im Vergleich zu 2009 ist das ein Anstieg um 33%. Da die Zahl der Komasäufer deutschlandweit eher rückläufig ist, sieht die DAK vor allem im Raum Reutlingen Handlungsbedarf. Der Plakatwettbewerb „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ wird dabei von der baden-württembergischen Landesregierung unterstützt. Auch Landrat Thomas Reumann, die Band „Luxuslärm“ und die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckman beteiligen sich. Ziel ist es, zahlreiche Schulen mit in die Präventionskampagne einzubinden. Kunst und Kreativität sollen dabei helfen, das Komasaufen einzudämmen und eine Trendwende zu bewirken.

Schwabenkinder

Sklaverei und Leibeigenschaft wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgeschafft. Für die Besitzer der Bauernhöfe im schwäbischen Oberland war das kein Problem: bis 1914 konnten sie sich im Frühjahr auf den Kindermärkten in Ravensburg und Friedrichshafen billige Hilfskräfte für eine Saison besorgen. Obwohl die Kindermärkte danach aufgrund internationaler Kritik abgeschafft wurden, kamen bis nach dem 2. Weltkrieg Kinder aus den armen Gegenden in Vorarlberg, Tirol und Graubünden als billige Arbeitskräfte ins schwäbische Oberland. Franz Xaver Ott vom Melchinger Lindenhoftheater hat sich nun mit einer Theaterinszenierung dem Schicksal dieser sogenannten „Schwabenkinder“ angenommen. Zehn Schüler und Schülerinnen der Mössinger Firstwaldschule stellen die Erfahrungen dieser Kinder dar, die ihren Dienstherren schutzlos ausgeliefert waren. Am 26. Februar ist die Premiere im Theater Lindenhof in Melchingen

Landkreis im Stadtmuseum

19 Museen aus dem Landkreis Tübingen präsentieren ihre schönsten Stücke im Tübinger Stadtmuseum „Wir zeigen´s euch“ heißt die Ausstellung, die mehr sein will als ein Raritätenkabinett. Die Kuratorin Elke Thran vom Kreisarchiv formt ein Portrait des Kreises. Sie zeigt die frühen politischen Unterschiede, die Spuren der Wirtschaftsgeschichte und dokumentiert die Anfänge der Industrie samt Rohstoffarmut. Die einzelnen Museen sind im Verein Kultur-Gut zusammengeschlossen. Dessen Vorsitzender glaubt, die Besucher des Stadtmuseums bekämen nun Lust, sich die Sammlungen auch außerhalb Tübingens anzuschauen.

Frauenwirtschaft

Als erstes deutsches Unternehmen unterzeichnete der tübinger Herrlesbergladen eine Erklärung der EU-Kommission, die „mehr Frauen in Chefetagen“ proklamiert. Um diese freiwillige Selbstverpflichtungserklärung bat EU-Kommissionsvizepräsidentin und Justizkommissarin Viviane Reding bereits vor einem Jahr. Bisher kamen dieser Bitte europaweit allerdings nur 23 Unternehmen nach. Der Herrlesbergladen in Lustnau ist nun das erste deutsche Unternehmen, das sich dazu verpflichtet, den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten bis 2015 auf 30 Prozent und bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen. Der Laden auf dem Herrlesberg besteht seit 2009 und wird zum großen Teil durch ehrenamtliche Mitarbeiter bewirtschaftet. Diese sorgen dafür, dass 7 Tage die Woche die Nahversorgung mit Lebensmitteln in Lustnau gewährleistet wird.

Fachkräftemangel

Die Träger von Alterpflegeeinrichtungen haben ein großes Problem. Die Branche leidet unter Fachkräftemangel. Doch Trotz Mangel gibt es befristete Teilzeitverträge, vor allem für Frauen. Das befristete Arbeitsverhältnis nagt nicht nur an den Nerven der Alterspflegerinnen, durch ihre ungesicherte Zukunft, sondern behindert auch ihre Berufslaufbahn. Sie können mit enem befristeten Arbeitsvertrag keine Weiterbildungen besuchen, die sie aber für das berufliche Weiterkommen dringend brauchen. Und man kann den Berichten der Alterspflegerinnen Glauben schenken, denn so sind tatsächlich 17% der Stellen der RAH, Teilzeitstellen. Doch seien letztes Jahr alle Auszubildenden aus dem eigenen Haus übernommen wurden. Doch stimmt es auch, dass jene Kräfte, die von einer anderen Ausbildungsstätte kommen zunächst einen befristeten Vertrag bekommen. Dazu kommt noch der schlechte Ruf der Alterspflege. Zwar wären die Seminare immer voll belegt, doch halten es sehr wenige bis zum Schluss aus. Man hört auch von Seiten der Diakonie den Wunsch, die festen Plätze zu sichern immer häufiger. Doch muss die Forderung erst schriftlich eingereicht werden, um überhaupt was zu bezwecken.

Niedrigenergiehaus

500 Jahre alt und inzwischen mit 4 Preisen ausgezeichnet ist das Nonnenhaus in Tübingen. Nach den Dominikanerinnen lebte dort im 16. Jahrhundert der Tübinger Medizinprofessor und Botaniker Leonhardt Fuchs. Inzwischen hat der Manager Ernst Gumrich das traditionsreiche Schmuckkstück erworben und in einjähriger Arbeit zum Niedrigenergiehaus sanieren lassen. Mit 2000.- bis 2500.- € pro Quadratmeter müsse man bei einem solchen Gebäude rechnen, so Gumrich. 2 Millionen € hat die Sanierung des 800 qm Gebäudes gekostet. Allerdings rechne sich die Investition aufgrund der Denkmalabschreibung von 90 % der Bausumme, erklärte der Bauherr. Somit hat Tübingen jetzt ein Vorzeigeobjekt der besonderen Art, dem weitere folgen könnten.

Bullenhitze

Polizeiautos kennt man mit Blaulicht auf dem Dach. In Reutlingen haben sie Sonnenkollektoren - allerdings auf dem Dach der Fahrzeughalle. 477 Module mit einer Leistung von 117 Kilowatt-Peak fangen dort die Sonne ein. Vor einer Woche ging die neue Fotovoltaikanlage auf dem Polizeiareal in der Kaiserstraße offiziell ans Netz. Der Wirtschafts- und Finanzminister und Reutlinger SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Nils Schmid drückte persönlich den Startknopf. Schmid war voll des Lobes. Das Projekt zeige eine wenig beachtete Facette des öffentlichen Dienstes. Dass nämlich Beamte, im konkreten Fall Polizisten, nicht nur ihren Job hervorragend machten, sondern sich auch fürs Allgemeinwohl beziehungsweise die Energiewende engagierten.



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