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Nachrichten vom 27.01.2012

Zivilklausel

Lehre, Forschung und Studium an der Universität sollen friedlichen Zwecken dienen“ heißt es in der Präambel der Grundordnung der Universität Tübingen. Der Umgang mit der Zivilklausel ist konfliktreich, je nach Auslegung. Die Honorarprofessur des Chefs der NATO-Sicherheitskonferenz ist ein Beispiel dafür. Aktuell geht es um ein Forschungsprojekt zur Bekämpfung von Vergiftungen mit Organophosphaten. Diese Insektenvernichtungsmittel lähmen die Atemmuskulatur und führen zum Ersticken. Der Tübinger Forscher arbeitet an der Entwicklung von Gegengiften. Problematisch ist die Kooperation mit dem Pharmakologischen Institut der Bundeswehr. Es geht eben auch um die anästhologische Betreuung von militärischen Giftgasopfern. Dennoch könne die Forschung friedlichen Zwecken dienen und sei auf eine Vielzahl von Anwendungen übertragbar, so der Wissenschaftler. Auch die Weltgesundheitsorganisation habe die Forschung zur Entwicklung von Gegengiften angemahnt.

Impfstoff gegen Krebs

Die Tübinger Firma Immatics hat einen weiteren Erfolg bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Krebs erzielt. In einer Phase-II-Studie mit 92 Patienten im fortgeschrittenen Stadium konnte nachgewiesen werden, daß das Mittel das Fortschreiten der Krankheit deutlich verlangsamt. Ein Impfstoff gegen Hirntumore befindet sich in der ersten klinischen Studienphase, während ein weiterer Impfstoff gegen Nierenzellkrebs mit einer Phase-III-Studie bereits vor der letzten Hürde vor der Zulassung als Medikament steht.

Stammzellen-Affäre

Ein ehemaliger Tübinger Wissenschaftler hatte 2008 in einer Studie die erfolgreiche Züchtung von Stammzellen aus Hodenzellen veröffentlicht. Andere Forscher zweifelten an der Richtigkeit der Ergebnisse. Jetzt soll eine Uni-externe Kommission die Fälschungsvorwürfe prüfen und klären ob ein Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis vorliege. Außerdem solle die Kommission Verbesserungsvorschläge zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten machen.

Warnstreik

Am Montag kam der Reutlinger und Tübinger Stadtverkehr fast völlig zum Erliegen. Eine Straßenblockade führte zum Totalausfall in Tübingen. Die Busfahrer fordern bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei für die Gewerkschaft nicht akzeptabel gewesen. Eine der Forderungen ist die 100prozentige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Busfahrer in Tübingen und Reutlingen würden im Vergleich mit anderen Regionen deutlich weniger verdienen. Fortbildungen müssten die Fahrer in der Freizeit machen und selbst bezahlen. Die Tarifkommission hat bis Freitag ein neues Angebot der Arbeitgeber gefordert. Sonst drohen neue Streiks.

Teilhabeplanung

Um die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu verbessern, arbeitet der Kreis Tübingen seit Anfang 2010 an einem Teilhabeplan. Nicht nur denen, die vom Kreis eine Eingliederungshilfe beziehen nützt eine barrierefreie Umwelt, sondern auch Älteren, Müttern mit Kinderwagen und letztendlich allen. Laut Sozialwissenschaftlerin Bettina Süßmilch sei Tübingen beim ambulant betreuten Wohnen überdurchschnittlich weit. Allerdings leben auch etwa 43 % der Menschen mit Behinderung in Heimen. Fertig werden soll der Teilhabeplan mit Handlungsempfehlung bis Ende des Jahres. Ausgearbeitet wird das Konzept vom Begleitarbeitskreis. Im Sommer soll eine Prognose mit voraussichtlichen Zahlen der Schulabgänger und derjenigen die Anspruch auf Eingliederungshilfe haben. Diese Daten fließen neben Anregungen von Betroffenen mit in die Handlungsempfehlung ein. Zu guter letzt soll dann ein schriftlicher Bericht mit vielen konkreten Vorschlägen vorliegen.

Bürgerstiftung

Der Verein ‚Frauenhaus‘ bekommt 1 000 Euro durch die Benefiztaktion ‚Adventskalender‘ der Bürgerstiftung Reutlingen. Der Verein kümmert sich um Frauen und Kinder, die Gewalterfahrungen in ihrem Leben machen mussten. Von der Spende sollen Spiel- und Bauelement gekauft werden. Durch therapeutisches Spielen soll die Blockade der Kinder überwunden werden, so dass die Kinder sich seelisch etwas stabilisieren können. Geplant wurde die Benefizaktion unter anderem von fünf Schülern der Theodor-Heuss Schule, welche hier ihre ersten Erfahrungen in Planung und Konzeption sammeln konnten. Die Bürgerstiftung profitierte durch das Wissen der fünf angehenden Betriebswirte. Die Stiftung ist ein Dachverband unter welchen auch andere Stiftungen, wie z.B. die Marienkirche und die Rainer-Kehrer Stiftung stehen.

Widerstandsgedenken

Schülerinnen und Schüler des Eugen-Bolz-Gymnasiums Rottenburg gedachten am Montag Abend an ihren schulischen Namensgeber. Im Rahmen dieser Gedenkfeier lasen sie aus den Flugblättern der „Weißen Rose“. An der Widerstandsgruppe sei deutlich erkennbar, das die Wege in den Widerstand nicht gradlinig verlaufen müssen. Eugen Bolz war in Württemberg Justiz- und Innenminister und von 1928 bis 1933 Staatspräsident. Seine Absetzung zugunsten eines Nazis nahm er einfach so hin. Im Fall eines erfolgreichen Stauffenberg-Attentats war Eugen Bolz als Innenminister vorgesehen und er starb am 23. Januar 1945 unter dem Fallbeil.

Neue Residenz

Das Psychologische Institut der Universität Tübingen ist in die grundsanierte alte Frauenklinik umgezogen. Die Sanierung in ein Universitätsgebäude kostete 19 Millionen Euro. Nun ist die Psychologie nicht wie zuvor auf vier Standorte in Tübingen verteilt sondern wurde endlich in den Unicampus als Einheit integriert. Die 700 Studierenden nutzen rund 4000 qm des 8000 qm großen Gebäudes. In den Westflügel zog das Institut für Wissensmedien ein. Der Umbau des 1890 fertiggestellten Gebäudes kostete 2 Millionen Euro mehr, als eigentlich eingeplant war, da das Gebäude in einem schlechteren Zustand war wie man zunächst dachte. Der ehemalige steile Anatomielehrsaal wurde abgeflacht und zu einem neuen Hörsaal umgebaut. Die Bibliothek ist nur halb so groß wie die alte, die ihren Sitz im Blauen Turm hatte.

Landeshauptstadt der Gemeinschaftsschulen

Tübingen wird drei von 34 Gemeinschaftsschulen im Land bekommen. Diese innovativen Schulen bemühen sich darum, die Grenzen des dreigliedrigen Schulsystems zu überwinden, so Bürgermeister Lucke. Die Stadt Tübingen wird fast 7 Millionen Euro investieren. Die Französische Schule braucht eine Mensa mit Küche und Nebenräume. Auch die Geschwister-Scholl Schule braucht eine räumliche Erweiterung. Im Bildungszentrum West gibt es eine neue Mensa, eine Mediathek und neue Räume. Die Gemeinschaftsschulen setzen mit multiprofessionellen Teams auf ganzheitliches Lernen und sind individuell auf die Kinder zugeschnitten.

Vogel des Jahres

In Tübingen lebt die landesweit größte Kolonie des Vogels des Jahres: dank Nisthilfen gibt es etwa hundert Dohlenpaare in der Innenstadt. Nachdem die bisherigen Brutplätze der Dohlen wie beispielsweise Kirchtürme wegen der Taubenabwehr vergittert wurden, hat ihre Zahl stark abgenommen. Mit Nisthilfen versuchen Vogelschützer den Bestand zu erhalten – vor allem in Tübingens Platanenalle finden die Vögel so zahlreiche Brutplätze. Wie man schon am lateinischen Namen der Dohle, Corvus monedula erkennen kann, ist sie eine Verwandte der Raben und Krähen. Dohlen leben von Käfern, Heuschrecken und Würmern und gehören deshalb auch zu den biologischen Schädlingsbekämpfern.



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