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Nachrichten vom Freitag 24.06.2011

Spitzenforschung

Eine Gruppe Tübinger Quantenphysiker dringt weiter in die Welt der Moleküle ein. Es ist ihnen gelungen, die Tastspitze eines Rastersondenmikroskops noch weiter zuzuspitzen. Dazu kühlen die Forscher ein Gas aus Rubidium-Atomen bis auf ein Millionstel Grad über dem absoluten Nullpunkt ab und halten es in einem Magnetfeld. Damit ensteht eine „Quantenspitze“ - sie besteht aus kleinsten Elementarteilchen, mit der sich Oberflächen im Nanobereich, also in einer Größenordnung von einem Millionstel Millimeter, abtasten lassen. Mit Hilfe eines Computers kann man die Wechselwirkungen zwischen der Tastspitze und dem Objekt auswerten und als Bild darstellen. Bis um das Tausendfache soll das bisherige Auflösungsvermögen des Verfahrens verbessert werden.

Unser Neckar

"Unser Neckar" lautet das Motto der Initiative, die das Umweltministerium Baden-Württembergs startete. So lud der Landkreis Tübingen am letzten Sonntag zum Neckartag und lockte damit nicht nur Kreisräte aufs Rad, um die vielfältigen Aktionen an verschiedenen Stellen zu erkunden. Am Hirschauer Wehr konnte man allerlei Rasenmäher für die steilen Uferböschungen bestaunen, sich über die Renaturierung am Neckar informieren und natürlich auch verköstigen. Der Präsident des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung – früher schlicht als Landesvermessungsamt bekannt – nutzte die Gunst der Stunde und bewarb die neue Landkreiskarte, die besonders für Wanderer und Radfahrer verbessert wurde. Auch am Tübinger Wehr gab es nicht nur kulinarische Stärkung, sondern ebenso allerlei Technik zu bestaunen – und die steht sogar unter Denkmalschutz. Die Tübinger Stadtwerke feierten mit Musik und Spielen das 100jährige Bestehen des Wasserkraftwerks. 1911 konnte das noch die ganze Stadt mit Strom beliefern, heute sind es 3,5 Prozent, damit liegt es im bundesdeutschen Durchschnitt. Im Wehrhaus bedurfte es einst der fünfzehnfachen Manneskraft, um über die großen Zahnräder den Wasserstand zu regulieren. Heute macht das ein Maschinenschlosser, der die Hälfte seiner Zeit damit zubringt, allerlei Sperrmüll bis zu ganzen Sofas aus dem Neckar zu fischen. Laut Reinhard Oelze von den Stadtwerken Tübingen gibt es kaum etwas, das nicht den Neckar herunter kommt. Auch in Reutlingen wurde entlang des Neckars geradelt. Hier gaben verschiedene Experten Informationen zu Natur und Kultur und zum Weg des Abwassers.

Flugratten

Zwölf Tonnen Kot produzieren die etwa 1.000 Tauben jedes Jahr in Tübingen. Diesen giftigen und ekligen Taubenkot verteilen die gefiederten Ratten in jeden erdenklichen Winkel der Altstadt. Sie nisten in Dachrinnen, auf kleinsten Simsen oder neuerdings sogar auf den zehn Zentimeter langen Stacheln, die eigentlich zur Taubenabwehr da sind. Dachdecker verzeichnen eine steigende Nachfrage für Abwehrnetze oder Stahlspitzen. Die Tauben-Population scheint trotzdem zu wachsen. Das städtische Taubenkonzept durch Geburtenkontrolle hat versagt. Es gibt drei offizielle Taubenschläge, in denen die Eier durch Gipseier ersetzt werden. Die natürliche Vermehrung läuft dann eben an wilden Nistplätzen. Die Tauben und ihr Kot bleiben ein großes Problem. Der Kot ist ein Schandfleck für alle Besucher der Altstadt, er bedroht Baudenkmäler und wird zum Hygieneproblem für die Bewohner.

Beihilfe auf der Schiene

Am letzten Sonntag informierte der Historiker Martin Ulmer bei einer Themenführung über die dunkle Geschichte der deutschen Reichsbahn. Sie war eine willfährige Helferin bei der Judendeportation, auch von Tübingen aus. Die Bahn streubte sich lange gegen die Aufarbeitung ihrer eigenen Geschichte. Die Reichsbahn als gut organisiertes Staatsunternehmen war bei den Deportationen hoch motiviert und sehr flexibel. Damit verdiente sie ein Vermögen. Es ist nichts bekannt über einzelne Mitarbeiter, die logistische oder technische Schwierigkeiten vorgetäuscht hätten. Die Reichsbahn transportierte Menschen zuverlässig in den Urlaub, an die Front oder ins Vernischtungslager.

Vorwärts Skateboard

Am vergangengen Dienstag organisierte der Reutlinger Jugend-Gemeinderat den ersten "Go Skateboarding Day". Jeder durfte an diesem Wettbewerb teilnehmen. Die Skateboarder hatten bis zu vier Hindernisse zu bewältigen. Als Preis gab es 50 Euro und einen Sponsoring-Vertrag zu gewinnen. Für Unterhaltung sorgten "State off the Art", die das Ereignis rockten. Der Jugend-Gemeinderat war so zufrieden mit der Veranstaltung, dass er eine Wiederholung des "Go Skateboarding Day" im nächsten Jahr plant.

Wie Gewächshäuser

In Bad Sebastiansweiler werden derzeit neben der B27 vom Nieferner Laboranalyse-Unternehmen Eurofins Agroscience Feldversuche durchgeführt. Zum einen werden in Tunneln, die aussehen wie Gewächshäuser, die Nebenwirkungen von Chemikalien auf Bienen getestet. Zum anderen wird überprüft, wie Pflanzenschutzmittel, die alle auf dem Markt sind, auf Regenwürmer wirken. Der Test soll mögliche schädliche Nebenwirkungen der Mittel auf nützliche Organismen ausschließen.

Ohne Worte

Seit etwa einem halben Jahr bekommt das Kinderhaus Loretto in der Tübinger Südstadt regelmäßig Besuch von Logopädin Carolin Falk. Sie begleitet Spielen, Singen und Essen mit der deutschen Gebärdensprache. Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren und Erzieher lernen hier die Gesten und Handzeichen. Grund für die Sprachstunden ist die Aufnahme zweier hör-beeinträchtigter Mädchen. Laut der Leiterin des Kinderhauses, Sonja Seifert, ist das Ziel des sogenannten Unterrichts, das die Gebärdensprache genauso normal wie die Lautsprache wird. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Spenden der Eltern. Der Unterricht geht noch bis zu den Sommerferien. Wie und ob das Projekt fortgeführt wird, ist noch unklar.

Malawische Medizin

Tübinger Ärzte helfen dabei, im afrikanischen Malawi die medizinische Versorgung zu verbessern. Das bedeutet auch, in Dörfern erst einmal eine Grundversorgung herzustellen, denn die nächsten Krankenhäuser und Gesundheitszentren sind oftmals zu weit von den Dörfern entfernt. Um basale Dinge wie Impfungen vor Ort zu ermöglichen, hat der christliche Gesundheitsdienst „Christian Health Association of Malawi“ ein Projekt auf die Beine gestellt, bei dem deutsche Ärzte – zuletzt die Tübinger Allgemeinmedizinerin Beate Jakob – mithelfen. Durchfall-Erkrankungen, Malaria und HIV sind vordringliche medizinische Probleme und sollen nun vor Ort angegangen werden. Aufklärung soll gegen HIV, Moskitonetze gegen die Übertragung von Malaria, und robustere Latrinen-Gruben gegen die Erkrankung an Durchfällen helfen.



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