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Amnesty International, Hochschulgruppe Tübingen

Dieser Tage jährt sich die Gründung von Amnesty International zum 50. Mal. Das ist ein Grund zum Feiern, aber auch ein Grund, Susanne und Nicola von der Tübinger Hochschulgruppe von Amnesty in die Sendung einzuladen. Nicola erklärt uns erst mal Grundsätzliches über die Nicht-Regierungsorganisation: "Amnesty ist eine überparteiliche Organisation, wir sprechen uns frei von jeglicher politischer Couleur." Sie will auf die Einhaltung der Menschenrechte achten und sich dabei nur an der UN-Menschenrechtscharta orientieren.

Im Interview schildern die Studentinnen die Gründungsgeschichte von Amnesty: Ein Londoner Anwalt verfasste damals einen Aufruf zur Begnadigung zweier portugiesischer Studenten, die nur deswegen im Gefängnis saßen, weil sie in einem Lokal "auf die Freiheit" angestoßen hatten. Auch heute prangert Amnesty es an, wenn Menschen aus politischen Gründen inhaftiert sind. Aktiv wird die Organisation dann zum Beispiel in urgent actions. In diesen Aktionen werden einerseits Briefe an Menschen in Machtpositionen geschrieben, die in der Sache etwas bewegen können. Andererseits gehen Schreiben aber auch an die Gefangenen selbst. Damit will man ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind, und hofft, ihnen auf diese Weise Kraft zu geben.

Die Tübinger Hochschulgruppe von Amnesty umfasst etwa 15 Mitglieder. Weil einer solchen Gruppe - zumal dann, wenn alle Mitglieder ehrenamtlich arbeiten - natürliche Grenzen gesetzt sind, setzt sie meist ein Schwerpunktthema. In Tübinger ist es derzeit Swasiland: Dort wird "Meinungsfreiheit als wichtiges Grundrecht mit Füßen getreten", sagt Nicola im Interview mit uns. Aber auch in unserer Breiten gibt es Menschenrechtsprobleme. "Wir leben in einem sehr privilegierten Land, hier geschieht im weltweiten Vergleich sehr wenig Unrecht. Aber auch hier gibt es immer noch genügend zu tun." Zum Beispiel? Eine Kampagne für mehr Verantwortung bei der Polizei. Dazu Susanne: "Uns ist ganz wichtig zu sagen, dass die Polizei eine super Arbeit macht. Wir brauchen sie, gar keine Frage. Nur, wenn es vorkommt, dass ein Polizist mal eine Straftat begeht, dann muss eben genauso vorgegangen werden wie bei der Straftat jedes anderen deutschen Bürgers." Das sei nicht immer der Fall. Darum habe man zwei Forderungen: Erstens eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten, zweitens solle eine externe Organisation deren Straftaten nachgehen, weil es für Polizisten problematisch sein könne, gegen eigene Kollegen zu ermitteln. Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, sind Vertreter der Hochschulgruppe in die Mensa gestürmt. Dabei hatten sie gelbe Tüten mit der Aufschrift "Täter unbekannt" über dem Kopf. "Es ist wichtig, erstmal Aufmerksamkeit zu erregen, und danach konkrete Informationen zu geben", erklärt Nicola das Vorgehen.

Gerade zum 50. Geburtstag wolle man aber nicht nur über die schlimmen Dinge in der Welt reden, sondern sich darüber freuen, dass so viele Menschen in so vielen Ländern sich gegen das Unrecht engagierten, meint Susanne. Beim Geburtstagsfest von Amnesty International Tübingen, über dessen Planung und Programm wir ebenfalls ausführlich sprechen, wird es daher zwar am Rande Infostände geben, in der Hauptsache gilt es aber zu feiern. Beim Fest will Susanne einen Kreis schließen. Vor 50 Jahren hat der Toast zweier portugiesischer Studenten "auf die Freiheit" den Stein ins Rollen gebracht. "Auf die Freiheit" will sie auch am 28. Mai beim Fest im alten Schlachthof anstoßen.

Vielleicht will der ein oder andere ja mit anstoßen. Vor dem Anstoßen aber Anklicken nicht vergessen!





Begrüßt haben wir unsere Gäste mit einer kleinen "Laudatio".




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