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Selbstverliebtheit kann auch queer sein

Bei fem*rasant durften wir Thomas Gipfel, den Dramaturgen für das Stück "Das Bildnis des Dorian Gray" am Landestheater Tübingen begrüßen. Er erzählte uns einiges zur Queerness des Romans und des Stücks selbst. Auch über über Bildnisse und Social Media unterhielten wir uns.

"Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde wurde 1890 veröffentlicht. Im London des späten 19. Jahrhundert malt Künstler Basil Hallward ein Porträt von Dorian Gray - ein wunderschöner Mann, den Basil auch sexuell begehrt. Als Dorian das Porträt sieht, sieht er das erste Mal seine eigene Schönheit und trauert, dass er bald altern wird. Er wünscht sich, dass das Porträt altert, anstatt er - und genau das passiert schlussendlich. Der Roman beschäftigt sich mit dem moralischen Verfall Dorian Grays, aber auch der Queerness hinter Basils Porträt und Ausdrücken von patriarchaler Macht.

Thomas Gipfel und der Rest der Theatergruppe um das Stück, produziert für das LTT in Tübingen, gaben ihr bestes, alles Wichtige im Stück darzustellen. Ein wenig modernisiert haben sie ihre Romanvorlage dann aber doch: gearbeitet wird zum Beispiel viel mit Camp-Ästhetik, welche vor allem durch schwule Männer vorangetrieben wurde. Tabus werden gebrochen und auch Männer dürfen gern einmal feminin werden. Auch Sybil Vane, ursprünglich ein Opfer des Patriarchats im Roman, bekommt ein neues, spannendes Ende.

 Auch heutzutage ist der Roman immer noch relevant. Arroganz und der Wunsch, für immer schön zu bleiben, existieren beide noch - und sind wohl auch komplett normal. Extremer kann man die Attribute Dorians aber auf Social Media sehen. Auch dort wird immer wieder versucht, sich jung zu halten. Nur haben wir eben keine Porträts mehr, sondern Selfies, die wir immer und überall mit unseren Smartphones machen können. Und am Ende des Tages hätten wohl viele von uns gern ein Porträt oder Selfie, was für uns altert und auf welchem sich unsere schlechten Charaktereigenschaften zeigen. Genau wie Dorian sind wir eben alle besonders eins: menschlich. Dazu zählt eben auch die Queerness, mit welcher sich der Roman und das Stück im LTT auseinandersetzt. Denn in sich selbst verliebt zu sein, ist auf eine gewisse Art und Weise eben auch queer.

Premiere des Stücks im LTT war am 18.04.2026. Weitere Vorstellungstermine können wie gewohnt auf der Website des LTTs gefunden werden.


Audio

mp3

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DorianGrayLTTFertig.mp3





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