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Stolpern, sich verbeugen, lesen

Stolpersteine, die an den Holocaust erinnern sollen, gibt es in ganz Europa. Auch Tübingen gehört dazu. In der Stadt verteilt finden sich kleine, steinförmige Messingplatten, in welche die Namen und Lebensdaten von Holocaust-Opfern eingraviert sind. Hierunter fallen natürlich jüdische Personen, aber auch Menschen mit Behinderungen, sowie Sinti und Roma, politisch Verfolgte und andere Minderheitsgruppen. Wir waren beim Stolpersteinputzen der Stolperstein-Initiative Tübingen mit dabei.

Auch Tübingen ist keine Ausnahme - im Holocaust wurden auch hier die Menschen, die es nicht schafften, rechtzeitig zu fliehen, deportiert und ermordet. Daran möchte die Stolperstein-Initiative Tübingen erinnern. Schon seit Jahren setzt sie sich dafür ein, dass kleine Messingplatten bei den ehemaligen Wohnorten der Opfer in den Boden eingelassen werden. Diese befinden sich in der Innen- und Südstadt. Oft wird versucht, dass Familien zusammengelegt werden.

Bei der Putzaktion haben wir auch viel über die Biographien der Menschen erfahren. Einige der Opfer in Tübingen gehörten zu den Opfern der T4-Aktion, bei welcher Menschen mit jeglichen Arten von Behinderungen ermordet wurden. Dazu gehört zum Beispiel Rosalie Weil, welche aufgrund von Depressionen in eine Heilanstalt eingewiesen wurde. Da sie nicht mehr arbeiten konnte und somit als "unnütz" für das NS-Regime galt, wurde sie ermordet. Der politisch verfolgte Ferdinand Zeeb, Mitglied der Tübinger Widerstandsbewegung, kam nur in Schutzhaft und erhielt nach Freilassung ein Berufsverbot, aber auch solche wichtigen Schicksale werden in die Steine eingelassen.

Stolpersteine als solches sind kontrovers. Einige sagen, dass man dadurch manchmal aus Versehen auf die Opfer "drauftritt". Auf der anderen Seite, so die Sprecherin der Stolperstein-Initiative Tübingen, muss man sich für das Lesen des Steines - vor allem, wenn sie gerade nicht blitzblank geputzt sind - verbeugen. Dadurch wird den Opfern Respekt gezollt und man kann sich an sie erinnern.

Geputzt haben wir die Steine zwar gemeinsam, aber man kann das ganze auch privat machen. Alle Putzmittel funktionieren, die man für Messing benutzen kann. Es bietet sich z.B. eine Essig-Salzlösung an, aber auch Messingputzprodukte aus Drogeriemärkten funktionieren gut. Putzen sollte man mit einem weichen Tuch, um die Steine nicht zu verkratzen. Auch sollte man Handschuhe und Kraft in den Armen mitbringen - oft sind nämlich viele schwarze Lagen Dreck auf den Steinen.

Die Stolperstein-Iniative Tübingen findet man unter https://stolpersteine-tuebingen.de/. Hier kann man Biographien der Opfer lesen und auch eine Karte einsehen, in welcher die Stolpersteine Tübingens eingezeichnet sind.


Audio

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FINAL_Stolpersteine.mp3





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