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Interventionistische Linke & Wohnraumbündnis Tübingen :: Marc Amann

Wohnraum ist Rückzugsort. Trotzdem gibt es immer wieder Vorfälle, in denen dieser zum Stressfaktor wird. Ob bei der Wohnungssuche oder beim Stress mit dem Vermieter. Deshalb ist es wichtig, dass es Projekte gibt, die Mieter in solchen Fällen unterstützen. Marc Amann von der Interventionistischen Linken sprach über die Methoden und Forderungen des Wohnraumbündnisses, die Wohnungsprobleme in Tübingen und über die Wielandshöhe.

Die IL, kurz für Interventionistische Linke, ist ein Zusammenschluß aus dezentral organisierten Gruppen in gut 30 Städten. Sie beschäftigt sich im Moment viel mit Rechtspopulismus und Klimapolitik. Die verhältnismäßig kleine Tübinger Gruppe unterstützt momentan unteranderem den Streik der Klinikumpflegekräfte für fairere Arbeitsverhältnisse, es geht ums Thema Klima  und eben um Wohnen. Entstanden ist die IL Ende der 90er als Gegenbewegung zu der akademischen Linken. Deshalb auch 'Interventionistische' Linke, als Bewegung, die auch eingreifen will, Demonstration und Aktionen organisiert.

Das größte Problem, das sich auf dem Wohnungsmarkt in den letzten Jahren entwickelt habe, ist laut Marc Amann, dass Wohnraum zu großen Teilen als Wertanlage und nicht mehr als Wohnraum gehandelt wird. Sogenannte ''Heuschrecken'', oft börsennotierte Firmen, die Wohnraum massenhaft aufkaufen und mit großem Gewinn weiterkaufen.

Eine momentane Veränderung im Vergleich zu früher ist, dass Wohngemeinschaften gegenüber Familien bevorzugt werden, da man von diesen mehr Miete verlangen kann. Viel Wohnraum in der Tübinger Altstadt wird auch als Ferienwohnungen vermietet und sorgt so für zusätzliche Anspannung auf dem Markt. Die IL fordert, diese auf Profit ausgerichtete Praxis des Vermietens auf die Liste der Zweckentfremdung von Wohnraum zu nehmen.

Marc Amann berichtet von Fällen, in denen Anwohner aus ihren Wohnungen rausgeekelt wurden. Der Wohnungen werden aufgekauft und dann saniert. Mit diesen Sanierungen werden die bisherigen Anwohner dann zum Auszug bewegt. Da kann es schonmal vorkommen, dass die Heizung den ganzen Winter nicht läuft oder die Schließ- und Klingelanlage nicht funktioniert. Die freigewordenen Wohnungen kann man dann an Wohngemeinschaften für den doppelten Preis vermieten. Rechtlich könne man gegen solche krumme Spielchen kaum vorgehen, erzählt Marc. Nur mit öffentlichen Druck könne man effektiv gegen sowas vorgehen, weiß er aus eigener Erfahrung. Und genau das könne das Wohnraumbündnis bieten. Die Berichterstattung in den Medien hatte schon einige Vermieter dazu bewegt, die Missstände in den Gebäuden endlich zu beheben.


Audio

Interview mit Marc Amann

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Interview_Marc_Amann_.mp3


Kurzversion des Inteviews

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Kurzversion_Interview.mp3



Bilder





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