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Die vergessene Reichsfrauenführerin :: Austellung zu Gertrud Scholtz-Klink

Sie war die höchste Frau in Hitlers Reihen und doch ist sie großteils unbekannt. Im Sudhaus gibt es jetzt eine Ausstellung über Gertrud Scholtz-Klink. Thilo Brunk und Mario Gotterbarm waren bei uns, um über die Ausstellung, den Weg dorthin und den dafür verantwortlichen Studiengang zu sprechen.

Gertrud Scholtz-Klink trat 1930 zusammen mit ihrem ersten Mann, Eugen Klink, in die NSDAP ein. Ihr Mann verstarb noch im selben Jahr an einem Herzinfakt auf einer NSDAP Kundgebung. Woraufhin Scholz-Klink die Rolle ihres Mannes als Gau-Redner übernahm. Durch ihre gute Rethorik fiel sie schnell anderen Parteimitgliedern auf und stieg, trotz ihres Geschlechts, in der Rangordnung der NSDAP. 1937 erreichte sie ihren absoluten Zenit und war als Reichsfrauenführerin etabliert. Spätestens dann wurde sie mit ihrem dritten Ehemann und elf Kindern als Vorbild der deutschen Frau im In- und Ausland propagiert.

In ihren Reden und ihrem politischen Engagement hielt Scholtz-Klink immer am klassischen Frauenbild der Hausfrau und Mutter fest. Sie vertrat stets die Meinung, Frauen sollten nicht arbeiten und erst recht keine hohen, politischen Ämter bekleiden. Was allein schon paradox ist, da sie selber ein sehr hohes politisches Amt inne hatte. Sie konnte diesen widersprüchlichen Umstand nie öffentlich oder politisch erklären. Es wurde sogar noch paradoxer, als ab 1938 die massive Aufrüstung begann und Rüstungsfirmen dringend Mitarbeiter suchten. Da fand es Scholtz-Klink vollkommen ok, wenn Frauen einen Beruf ausübten.

Nach dem Fall des dritten Reichs 1945 floh Gertrud Schlotz-Klink aus Berlin nach Bebenhausen. Sie nannte sich selbst Maria Stuckenbrock und konnte durch die Unterstützung von der damaligen Fürstin zu Wied, Pauline von Württemberg und der Baronin Falkenstein, die ihr einen neuen Pass und eine Wohnung besorgten in Bebenhausen untertauchen.

Erst 1949 wurde sie wegen Falschausgebung festgenommen und zu 18 Monaten Haft verurteilt. Dies sollte ihre einzige Haftstrafe bleiben. Obwohl sie wenig später zwar erneut zu 18 Monaten verurteilt wurde, wurde diese Strafe bereits als abgesessen anerkannt. Selbst als nach öffentlichen Beschwerden Revision in ihrem Fall eingelegt wurde und sie 1950 zu 2 Jahren und 6 Monaten Haftstrafen verurteilt wurde, kam Scholtz-Klink bereits nach einem Monat wieder frei, als ihrem Gnadenersuch zugestimmt wurde. In einem Interview 1974 und ihrer Biografie 1978 wurde klar, dass Gertrud Scholtz-Klink bis zu ihrem Tod 1999 keinerlei Reue empfand und bis zuletzt Hitler und die NSDAP verteidigte.

Die Idee, sich mit dem Leben un der politische Rolle von Gertrud Scholtz-Klink zu befassen, hatte die Studentin Coretta Bonicel, als sie ein Seminar bei Rhetorik-Professor Dietmar Till zu Reden und Redner/innen in der NS-Zeit besuchte. Da im Seminar hauptsächlich Männer behandelt wurden, recherchierte Bonicel für ihre Hausarbeit nach rhetorisch talentierten und politisch aktiven Frauen aus der NS-Zeit und stieß dabei auf Scholtz-Klink.

Vor einem knappen Jahr begann Bonicel gemeinsam mit drei anderen Masterstudenten, unter anderem Thilo Brunk, die Gestalltung der Ausstellung. Unterstützung bekamen sie von Dietmar Till und von Mario Gotterbarm, der den Masterstudiengang Literatur- und Kulturtheorie koordiniert und begleitet.


Audio

Interview über Gertrude Scholtz-Klink Austellung im Sudhaus

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Interview.mp3


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