Login

 Infos und Regionales


Lokalmagazin


Beiträge & Artikel

IMI-Kongress 2017 :: Krieg im Informationsraum :: Der Informationsraum aus militärischer Sicht

Der jährliche Kongress der Informationsstelle Militarisierung (IMI e.V.) widmete sich im November 2017 dem „Krieg im Informationsraum“. Anlass für das Thema war die Aufstellung des neuen Bundeswehr-Kommandos "Cyber und Informationsraum" (CIR) im April 2017. Dieser Vortrag widmet sich im engeren Sinne der militärischen Sicht auf Cyberkrieg und Kommunikationstechnik.

Der Informationsraum aus militärischer Sicht (Hans-Jörg Kreowski)

Hans-Jörg Kreowski, emeritierter Professor für theoretische Informatik, gibt einige Beispiele für erfolgte Cyberattacken, etwa im Kontext des Georgienkrieges oder Stuxnet, der iranische Gaszentrifugen manipulierte. In diesen Fällen legt der konkrete Kontext eine Urheberschaft – einmal Russlands, einmal der USA – nahe, grundsätzlich ließe sich diese jedoch kaum eindeutig nachweisen.

Der Cyberwar bzw. die Vorbereitung hierauf setze voraus und beinhalte, dass mit viel Geld Sicherheitslücken aufrechterhalten und gehandelt werden. Die Folgen reichten von Unbequemlichkeiten etwa durch Verschlüsselungstrojaner auf Privatrechnern bis hin zu Angriffe „in dramatischem Umfang“ und mit enormen Ausmaßen, auch hinsichtlich „der Vernichtung von Menschenleben“. Die hierfür notwendigen Fähigkeiten müssten entwickelt werden und prägten bereits teilweise das Fach Informatik.

„Die ganze Welt rüstet gigantisch auf“, so Kreowski. Demgegenüber warb er für das Konzept des „Cyberpeace“. Voraussetzung hierfür wäre, dass die Fähigkeiten und Ressourcen, die aktuell in die Vorbereitung des Cyberkriegs fließen, für die Beseitigung von Sicherheitslücken aufgebracht würden. Das würde sowohl Gesellschaften und kritische Infrastrukturen wie auch private Anwender*innen vor militärischen, staatlichen und kriminellen Angriffen schützen.

Abschließend ging Kreowski auf die Begriffsgeschichte ein. Spionage und Propaganda habe es immer gegeben, im Zweiten Weltkrieg hätte das Ver- und Entschlüsseln elektronisch übermittelter Daten an Bedeutung gewonnen und die Grundlage heutiger Geheimdienste gelegt. Die Absicherung von und Angriffe auf militärische Führungssysteme wären bis in die 1990er Jahre unter der Bezeichnung „Informationskrieg“ und dann als „Cyberkrieg“ bezeichnet worden. Heute kehre der Begriff des Informationskrieges zurück und meine neben der Absicherung militärischer Kommunikation zunehmend auch Aktivitäten, die auf die Beeinflussung der öffentlichen Meinung zielen.


Audio

Der Informationsraum aus militärischer Sicht (Hans-Jörg Kreowski)

Download (137,94 MB)
5_Der_Informationsraum_aus_militaerischer_Sicht_-_Hans-Joerg_Kreowski.mp3





Freies Radio Wüste Welle, Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen :: +49 7071 760 337 :: buero@wueste-welle.de