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Klinikprotest für mehr Personal :: Profite pflegen keine Menschen

Fabian und Mohammed arbeiten als Krankenpfleger am Universitätsklinikum Tübingen und beteiligen sich an den Protesten gegen den chronischen Personalmangel auf fast allen Stationen. Sie rufen mit auf zu einer großen Demonstration für mehr Personal am Mittwoch, den 13. Dezember um 17:30 Uhr vor der Frauenklinik.

Fabian hat sich nach dem Zivildienst für die Ausbildung zum Krankenpfleger entschieden, bei Mohammed war es das FSJ, das ihn zur Berufswahl animierte. Beide sind eigentlich sehr zufrieden mit ihrem Beruf, den sie sinnvoll finden ("Man kann sich nach Feierabend auf die Schulter klopfen") und der auch krisensicher ist.

Was ihnen gar nicht gefällt, ist die Realität auf ihren Stationen. Die Belastung für die Beschäftigten ist extrem hoch: Regelmäßige Überstunden sind an der Tagesordnung, 60-70% des Personals am UKT kann tagsüber keine korrekte Pause machen und verzichten häufig auf Essen und Trinken.

Diese Zustände bedeuten Abstriche bei der Pflege, Hygiene oder Patientenüberwachung. Die Beschäftigten können ihre Arbeit nicht so machen, wie sie es gelernt haben oder wie es sein sollte. Die Besetzung auf Station gleicht gelegentlich einem Lottospiel, die Angst vor Unterbesetzung und damit Überlastung ist ein ständiger Begleiter und diese psychischen und physischen Überlastungszustände münden umso öfter in einer Erkrankung. Ausfälle werfen den normalen Ablaufplan über den Haufen, die Zahl der zu versorgenden Patienten lässt sich aber nicht ins unermessliche steigern, selbst bei optimalen Arbeitsabläufen.

Ein großes Problem sehen die beiden in der so genannten Fallpauschale, die den realen Aufwand in der Pflege, gerade bei Komplikationen, nicht berücksichtigt. Dieses Verfahren führt zu so genannten "Blutigen Entlassungen" direkt nach Operationen, um Kosten zu sparen. Gleichzeitig setzt das System Anreize für medizinisch nicht notwendige Operationen beispielsweise an Hüfte und Knie, die der Klinik aber gutes Geld bringen. Kliniken funktionieren mehr und mehr wie Unternehmen und nicht wie Orte der Gemeinnützigkeit.

Am Montag, den 11. Dezember um 18 Uhr organisiert das Bündnis für mehr Personal in Krankenhäusern ein öffentliches Singen auf dem Tübinger Marktplatz: Aus voller Kehle für die Pflege! Eine Solidaritätsaktion mit den Klinikbeschäftigten.

Am Mittwoch, den 13. Dezember startet um 17:30 Uhr eine Demonstration an der Frauenklinik: "Profite pflegen keine Menschen" lautet das Motto und es soll ein Zeichen an die Arbeitgeber sein, die in den aktuellen Tarifverhandlungen auf Zeit spielen und zu keinen Zugeständnissen bereit sind.


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