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Klimatage Tübingen 2017

Die Tübinger Klimatage 2017 fokussierten drei Wochen lang die Klimathematik. Mitveranstalter Roman und Kined blicken aus volkswirtschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Perspektive auf den Klimawandel und diskutieren über Konsum, Politik und Verantwortung.

Kined ist Mitglied der Tübinger Studierendeninitiative you-manity, die die Tübinger Klimatage mitorganisierte. Er blickt aus sozialwissenschaftlicher Perspektive auf den Klimawandel. Kined will nicht nur kritisieren, sondern sich engagieren und damit das besser machen, was er für falsch hält. You-manity engagiert sich vor allem in den Bereichen Nachhaltigkeit und Entwicklungszusammenarbeit. 

Roman studiert VWL und engagiert sich in der Global Marshall Plan (GMP) Hochschulgruppe in Tübingen. Die Gruppe setzt sic für eine ökologischere, nachhaltigere und gerechtere Welt und Wirtschaftordnung ein. Zum Beispiel organisieren sie Mikrokreditprojekte in Indien und Kenia. Aber auch Vorträge, Filmvorführungen, Poetry Slam, Demos oder Unterschriftensammelaktionen. Romans Motivation sich zu engagieren, folgt seinem Gefühl, dass die Klimathematik aus dem politischen Diskurs verschwunden ist. Die Klimatage sieht er als Möglichkeit wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. 

Die Tübinger Klimatage 2017 wurden von verschiedenen Initiativen und Organisationen ins Leben gerufen und auf die Beine gestellt; unter anderem eben auch von GMP und you-manity. Vom 25. Oktober bis zum 13. November 2017 gab es verschiedene Veranstaltungen zu verschiendenen das Klima betreffende Themen. Zum Beispiel Nachhaltigkeit, Kohleabbau, Ernährung oder "Klima und Kleidung". Hauptsächlich fanden Vorträge und Debatten statt.

Es gab auch einen Workshop mit Ende Gelände. Die Aktion Ende Gelände setzt ich für den Kohleausstieg ein. Anfang November setzten sie ein Zeichen, in dem eine internationale Bewegung mit hunderten Aktivisten in das Rheinische Braunkohlerevier eindrang und die Arbeit blockierte.

Die Tübinger Klimatage standen auch im Zeichen der Weltklimakonferenz in Bonn. Am 4. November fand in Bonn in diesem Rahmen eine Demonstration für Klimaschutz und Kohleausstieg statt, an der 25.000 Menschen teilnahmen. Die Klimatage organisierten eine Bonn-Fahrt und informierten Interessierte über die Demonstration und die Konferenz.

Die Resonanz bei den Tübinger Klimatagen war durchweg positiv, erzählen Kined und Roman. Die Vorträge waren gut besucht und es fanden rege Diskussionen zu den Themen statt. Den Erfolg der Klimatage sieht Roman vor allem darin, dass das Interesse der Leute geweckt wurde, sich (weiter) zu engagieren oder sogar zur Demo nach Bonn mitzufahren. Die Tübinger seien ein sehr dankbares Publikum - das Interesse an der Thematik ist groß und viele engagieren sich bereits in irgendeiner Form.

Roman glaubt, dass eine Veränderung der breiten Gesellschaft nicht durch die Wandlung eines Einzelnen evoziert wird. Es bringt nichts, wenn sich einer von 80 Millionen ändert, wenn die Gedanken nicht an die Politik getragen werden. Das ist inkonsequent, findet Roman. Demonstrationen seien ein sehr gutes Mittel der Politik Anliegen näher zu bringen und ein Zeichen zu setzen. "Ich glaube, dass der Klimawandel nur auf einer großen Ebene, politisch und technologisch gelöst werden kann.". Zum Beispiel kann durch die Anhebung der Preise (z.B. Fleischpreise, Spritpreise) das Konsumverhalten der Leute gelenkt werden. Wären da nur nicht die Lobbyisten, oder - um Moderatorin Gabriele zu zitieren - die "Lobbykratie". 

"Wir müssen es schaffen, dass der Klimawandel wieder die Nummer eins in der Politik und der Gesellschaft wird. Wir lassen uns von Parteien, wie der AfD, die politischen Diskussionen in der Gesamtgesellschaft vorschreiben. Das müssen wir irgendwie überwinden.", apelliert Roman. Das Problem sei, dass viele Menschen das Thema in den Hintergrund schieben, weil sie denken, dass durch das Pariser Klimaabkommen und Merkels Energiewende das Problem gelöst sei. Dabei hat sich die Situation in den letzten zehn Jahren kein Stück verbessert.

Die europäische Gesellschaft hat einen Lebensstil entwickelt, der sehr ressourcenintensiv ist: Konsumismus. Ein "gutes Leben" äußert sich heutzutage durch Besitz und Harmonie. Kined meint, dass eine Veränderung des Lebensstils notwendig sei, die ein klimasensibleres Leben ermöglicht. JedeR sollte sich überlegen, ob ein "gutes Leben" nicht auch ohne Konsumismus funktioniert. Austausch, Vielfältigkeit und gesundes, genuines Interesse - so formuliert Kined seine Vorstellung eines "guten Lebens". Die Frage von Verteilung und Besitz - darüber sollte mehr reflektiert werden.

"Setzt euch ein, schreibt PolitikerInnen Briefe oder ruft sie an. Versucht so oft wie möglich auf Demos zu gehen, blockiert Kohlekraftwerke und schaut, dass ein unglaublicher Druck aus gesellschaftlichen Diskursen auf die Politik entsteht, tatsächlich im Großen was zu ändern; dass sich Deutschland endlich an die Ziele hält, die es selbst formuliert hat. Ich glaube, dass es auch unglaublich wichtig ist, persönlich was zu ändern. Aber ich glaube, dass das politische Engagement deutlich wichtiger ist." - Roman

"Ich möchte mich dafür aussprechen, dass die Leute anfangen ihren Konsum zu reduzieren. Jeder Konsumgegenstand, das kann Kleidung sein, oder technische Gegenstände, ist mit einem Herstellungsaufwand und mit einem Ressourcenverbrauch verbunden. Solange es da keine effizienten Recycling- und Kreislaufsysteme gibt, ist es sehr umweltunfreundlich zu konsumieren; gerade weil es Alternativen gibt, um nicht nur Neu kaufen zu müssen. Und auch bewusste Ernährung ist ein wichtiger Faktor. Lenkt euch nicht ab, sondern kümmert euch um die politischen Sachen!" - Kined


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