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GENERATE!° Festival 2017

Das Generate!° Festival für elektronische Künste in Tübingen geht noch bis zum 11. November 2017. MitveranstalterIn André und Vanessa waren erneut bei uns zu Gast und haben uns rund ums Festival auf den neusten Stand gebracht. Spannende Eindrücke gibt es auch durch das ein oder andere Künstlerinterview.

"Wenns Generate Festival ist, sei das wie wenn ein Ufo in Tübingen landen würde.", zitiert André einen Kollegen. So ungewöhnliche Dinge, wie man sie auf dem Generate!° Festival zu sehen und hören bekommt, erleben die BesucherInnen sonst nirgendwo. Und mit dieser außerirdischen Außergewöhnlichkeit punktet das Generate: "Bisher läufts super!", meint André. Mit Kunstgeschichtsstudentin Vanessa erzählt er von verschiedenen Projekten, die noch in der Shedhalle und der Kulturhalle zu erleben sind.

In der Shedhalle gibt es Video-, Animation- und Fotografie-Projekte zu sehen. André erzählt vom Institut Avaroid, das von einem Künstlerduo ins Leben gerufen wurde. Die beiden erforschen eine besondere Lebensform: die Avariten. Avariten sind "transdimensionale Parasiten, die sich von kognitiven Dissonanzen, also der negativen Energie der Menschen ernähren. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass menschliches Verhalten teilweise von Parasiten fremdgesteuert ist. Bei ihren Forschungen legen sie den Schwerpunkt auf die Gier des Menschen. Kommt Gier durch Avariten zustande? Diese Kunstform ist auf der Schwelle von Erfundenem (das Avaroid-Universum) und Realem (Verhaltensforschung). Die Kunst, durch die das Institut Avaroid sich ausdrückt, ist zum einen ein Ausstellungsteil und zum anderen ein performativer Teil, in dem das Duo von der Forschung erzählt. Den Ausstellungsteil bilden geformte Kristalle, die von Innen beleuchtet werden. Die BesucherInnen reagierten mit Faszination auf das Projekt und zeigten großes Interesse an dieser außergewöhnlichen Forschung(smethode).

Vanessa erzählt von dem Künstlerpärchen Plex Noir. In ihrer Arbeit "Debris" beschäftigen sich mit Weltraumschrott. Sie sammeln alle Daten, in denen das US-Militär alles erfasst, was sich in der Umlaufbahn der Erde befindet: neben Satelliten gehört dazu auch jedes Schrottteil, das um die Erde kreist. Diese Daten übertragen sie vom Computer auf einen Laser, der nach diesen Daten Pappseiten belichtet. Sie stellen die Entwicklung der Menge des Weltraumschrotts von den 60er Jahren bis heute auf zwei Pappscheiben, die jeweils die Nord- und die Südhalbkugel zeigen, dar. Zum einen werden im klassischen Ausstellungsformat die fertigen Drucke gezeigt und zum anderen gibt es einen performativen Teil, in dem der Laser eine Pappe live im Zeitraum der Ausstellung belichtet. Auf einem Monitor sind Informationen zum aktuell belichteten Schrottteil zu sehen: Was (Rakete, Satelliten), Geschwindigkeit des Teils und wann es kaputt gegangen ist, beziehungsweise wann es in den Weltraum geschossen wurde, kann man dort ablesen.

Jerusalem in my Heart heißt das audio-visuelle Projekt zweier Kanadier. Der Musiker Radwan Ghazi Moumneh kombiniert elektronische und arabische Musik. Für den visuellen Part ist Filmemacher Charles-André Coderre zuständig. Er verfremdet und gestaltet während der Performance 16-mm-Filmausschnitte. Jerusalem in my Heart sind zur Zeit auf Tour. Ihr einziger Auftritt in Deutschland ist am Mittwoch, den 8. November 2017 um 21 Uhr in der Shedhalle in Tübingen.

Bei Uwe Oestermeiers "Legotisch" steht neben dem künstlerischen Aspekt vor allem der didaktische im Vordergrund. Mit Legosteinen können auf einem Infrarot-empfindlichen Touchtisch Töne erzeugt werden. Es geht darum Kindern musikalische und mathematische Strukturen näherzubringen. Der Tisch wird teilweise in Schulen genutzt. So können Kinder nicht nur rezeptiv lernen, sondern aktiv gestalten. Am Donnerstag den 9.11. hält Oestermeier um 17 Uhr in der Kulturhalle einen Vortrag über den Tisch. Jeder ist eingeladen den Tisch auszuprobieren - auch Erwachsene!

Die Brasilianerin Laura Carvalho kommt aus Sao Paulo. Sie hat sich eine Kunstfigur erschaffen, mit der sie sich ein Tinderprofil erstellt hat. Sie traf sich mit einigen Leuten und trug dabei immer einen großen, bunten Hut mit Kamera. Die Treffen mit den Leuten hat sie zu einer Performance ausgearbeitet und in einer Videoarbeit zusammengeschnitten. Laura geht es darum, zur Reflexion anzuregen. Sie will mehr Fragen, als Antworten aufwerfen. Wie verkaufen und präsentieren wir uns in der Öffentlichkeit? Wie sind Beziehungen heutzutage?

Das Generate Festival wurde auf Internetplattformen ausgeschrieben und KünstlerInnen konnten sich bewerben. Aus knapp 200 Einsendungen wählten der Festivalleiter und MitveranstalterInnen dann 60 aus. Die Kriterien waren technische Realisierbarkeit und thematische Korrespondenz. Die Arbeiten von Diego Montoya und der Gruppe Stumpf reagieren beispielsweise beide auf Hashtags, die in den sozialen Netzwerken kursieren. Es kamen sowohl internationale Künstler wie Khaled Kaddal (Ägypten), als auch nationale und regionale Künstler, wie Essighaus aus Tübingen, zusammen.

Das Generate Festival finanziert sich durch Fördergelder und Ticketverkauf. Damit können unter anderem die Reisekosten der KünstlerInnen übernommen werden; für eine Gage reicht es jedoch nicht. Auf die Beine gestellt wird das Festival von ehrenamtlichen Mitarbeitern - Shedhallen-Vereinsmitglieder, StudentInnen und Interessierte. André meint, die Motivation sei der "Spaß an der Sache" und der persönliche Kontakt zu den KünstlerInnen.

Beim Generate Festival haben nicht nur die BesucherInnen die Möglichkeit, ins Gespräch mit den KünstlerInnen zukommen. Auch zwischen den Künstlern entstehen persönliche Kontakte und künstlerische Kooperationen. Einige von ihnen bleiben ein paar Tage und nehmen an verschiedenen Veranstaltungen teil. So entdecken sie Gemeinsamkeiten in ihren Arbeiten, tauschen sich aus und planen eventuell sogar gemeinsame Projekte für die Zukunft. Die Festival-Mitarbeiter versuchen eine familiäre Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Nach den Veranstaltungen treffen sie sich mit KünstlerInnen auf ein Bier und quatschen, erzählt Vanessa.


Audio

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Interview.mp3


Debris - Plex Noir

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01_Plex_Noir_Debris.mp3


Institut Avaroid

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02_Institut_Avaroid.mp3


Legotisch - Uwe Oestermaier

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03_Legotisch_Oestermaier.mp3


Jerusalem of my Heart

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Laura Carvalho

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Bilder




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