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Christopher Buchholz - Französische Filmtage 2017

Am 1. November 2017 starten die Französischen Filmtage Tübingen zum 34. Mal. Im Fokus steht Québec und das 30-jährige Jubiläum des Cine Afrika. Eine breite Themenpalette in 120 Filmen und viele Diskussionen mit diversen Regisseuren erwarten das Publikum. Christopher Buchholz erzählt - mit viel Humor und sehr lebendig.

Christopher Buchholz ist seit sieben Jahren Leiter der Französischen Filmtage Tübingen. Der Sohn des berühmten deutschen Schauspielers Horst Buchholz wurde in Amerika geboren und wuchs größtenteils in Frankreich auf. Dort entdeckte er seinen Fabel für französische Filme. Mit dem Festival holt er ein Stück der frankophonen Kultur ins Schwabenländle: gute Gespräche und Diskussionen, gutes Essen und interessante Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen.

Dieses Jahr liegt der Fokus der Filmtage auf der canadischen, französischsprachigen Provinz Québec. "Die haben super Kino und bereits mehrfach den Wettbewerb gewonnen - es wird Zeit", begründet Christopher die Wahl. Er selber war schon in Montreal. Wenn er ein neues Leben anfangen würde, dann dort. Die Menschen sind sehr nett und witzig. Schade ist nur, dass zwei wichtige Regisseure aus Québec verhindert sind, weil dort zur Zeit Jagdsaison ist. "Die kriegste nicht weg. Die haben diese riesigen Wälder - was machste da auch? Entweder du gehst jagen, hängst dich auf, gehst dich verlieren oder du triffst dich mit nem Bären.", sagt Christopher verständnisvoll mit seiner humorvollen Art.

Apropos Klischees. Französische Filme sind einfach gut, heißt es in aller Munde. Aber so ist es auch, findet Christopher. Keiner sonst schafft es, Humor auf so intelligente Weise rüber zu bringen. Er wünscht sich, dass die Leute die französische Kultur durch frankophone Filme kennenlernen. "In den Filmen siehst du, wie und worüber Leute reden, wie sie Liebe machen und welchen Humor sie haben." Die Franzosen schreiben sehr gut, meint Christopher.

Die Französichen Filmtage Tübingen sind das zweitgrößte französische Filmfestival Europas. Um die 120 Filme sind im Repertoire, davon 80 Langfilme. Zusammen mit Hasan Ugur und Bärbel Mauch wählt Christopher eine breite Palette an Filmen aus. "Ich muss erstaunt sein, es muss etwas Neues sein.", begründet Christopher die Wahl. Das ganze Jahr verbringt er damit Filme anzuschauen. "Irgendwann siehst du nur noch Quadrat - es ist schon sehr viel." Da bleibt keine Zeit, andere Filme zu schauen. Nur manchmal braucht er eine Kopfwäsche. Dann lässt er sich nachts von den amerikanischen Filmen im Fernsehen berieslen.

Die Filme mit einer besonderen Handschrift werden für den Wettbewerb ausgewählt. Der Wettbewerb ist ein Sprungbrett für die junge Generation der RegisseurInnen. Auch der Publikumspreis ist eine attraktive Chance. Filmverleihe können dadurch auf sie aufmerksam werden. Die RegisseurInnen bekommen keine Gage, sondern Unterkunft und Reisekosten. Die Filmtage sind eine Einladung und eine Möglichkeit für die RegisseurInnen, ihre Filme vor Publikum zu zeigen. Filmfestivals sind die modernen Plattformen, um Filme an die Öffentlichkeit zu bringen. Früher waren es noch die Videotheken, die jedoch am aussterben sind.

Zu den Filmtagen gehören auch viele Diskussionen. "Was ist Integration?" ist eines der Themen. Die Integrationsbeauftragte aus Aix-en-Provence, die ehemalige Tübinger Bürgermeisterin Arbogas und junge Geflüchtete werden dabei sein. Desweiteren wird Alexander Smoltczyk, Autor, Spiegelredakteur und Regisseur des Filmes "Les banlieues de la ligne 148 - Endstation Bataclan" nach dem Film in einem Gespräch über seine Erfahrungen in der Buslinie 148 und das Attentat sprechen. Außerdem wird es Diskussionen über afrikanisches Kino und über Québec geben.

Kneipenkino ist ebenfalls Teil des Programms. Im Ratskeller, im Club Voltaire und in der Liquid Bar laufen Kurzfilme. Es gibt wieder einen Cineslam, bei dem jedeR den eigenen Film mitbringen kann. Die Regisseure treten dann vor Publikum mit ihren Filmen und Anekdoten zu ihren Filmen gegeneinander an. Auf den Schülerkurzfilm-Wettbewerb legt Christopher besonders viel Wert. Wer keine Popcorn-Filme, sondern intellektuelle und emotionale Filme schaut, der macht keinen Krieg, sagt Christopher. Die Filme vermitteln eine Empathie, die auf den Betrachter überspringt.

Der Film "Cherchez la femme - voll verschleiert" hat die Ehre, die Filmtage am Mittwoch zu eröffnen. Eine gewagte Komödie über Extremisten, die aber so intelligent geschrieben ist, dass die Gratwanderung gelingt. Jeder bekommt etwas ab. Christopher kommt seit Jahren in Smoking zu den Filmtagen. "Die Leute denken immer, dass ich mich wie James Bond fühle, dabei will ich nur Cannes en biais nach Tübingen holen.". Er wartet immer darauf, dass die Leute ebenfalls in Smoking kommen. Wenn das mal keine Aufforderung ist...

 


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