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The Flower of Aleppo - Arabisches Filmfestival 2017

Der Film "The Flower of Aleppo" wurde 2016 in Tunesien gedreht und feierte im selben Jahr Premiere. Ridha Behis Spielfilm über die Radikalisierung junger Menschen zeigt authentisch, berührend und direkt, welche Folgen der Arabische Frühling mit sich brachte.

Am 11. Oktober lief "The Flower of Aleppo" im Kino Arsenal beim Arabischen Filmfestival 2017 in Tübingen. Regisseurin Ridha Behi greift in dem Spielfilm das Schicksal vieler Familien auf, die ihre Kinder, Männer und Frauen an die Terrororganisationen der Salafisten-Gruppen verlieren. Über die Medien wird zwar viel über die Geschehnisse in den arabischen Ländern berichtet; was sich dort wirklich abspielt und was hinter der Radikalisierung der Menschen steckt kommt jedoch selten zur Sprache. Um das zu vermitteln, hat Ridha Behi Worte und Bilder gefunden, die ins Herz gehen.

Der siebzehnjährige Mourad lebt bei seiner Mutter Salma in Tunesien. Vor ein paar Jahren zogen sie von Paris dorthin. Seine große Leidenschaft gilt der Musik; in jeder freien Minute spielt er Gitarre. Salma ist Notärztin, arbeitet sehr viel und kommt oft spät nach Hause. Sie liebt ihren Sohn, auch wenn sie wenig Zeit für ihn hat.

Nach und nach rücken verschiedene Konflikte in den Vordergrund. Die ernsten Seiten des tunesischen Alltags werden thematisiert. Es stellt sich heraus, dass Mourads Eltern kurz vor der Scheidung stehen, was Mourad mehr belastet, als man zu Beginn des Films dachte. Während Mourad auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Zuneigung ist, kümmern sich seine Eltern nur um ihre eigenen Beziehungsprobleme.

In dieser Phase lernt Mourad Nizar kennen. Nizar lebt einen radikalen Glauben und gehört einer Salafisten-Gruppe an, die versuchen, den Islam mit Gewalt in der Stadt zu verbreiten. In dieser Gruppe erfährt Mourad Zuneigung und Anerkennung. Er verbringt immer mehr Zeit in der Moschee und so wird die Gruppe wird zu seiner neuen Familie. Mourad beschließt die Schule abzubrechen und wünscht sich von seiner Mutter zum 18. Geburtstag, dass sie sich verschleiert. Als Salma merkt, dass hinter Mourads Verhalten nicht nur die Scheidung steckt, ist es bereits zu spät. 

Eines Tages verschwindet Mourad. Salma wird von da an zur Hauptperson im Film. Sie ist verzweifelt und hat die Hoffnung, dass Mourad noch lebt schon fast aufgegeben, als Mourad sie aus Syrien anruft. Er erzählt ihr, dass er sein Leben vollkommen in die Hände Gottes legt und einen Märtyrer-Tod sterben will. Salma zögert nicht und beschließt sich als Krankenschwester beim Jihad nach Syrien schmuggeln zu lassen.

Der folgenden Filmszenen spielen im tiefsten Innerern des Jihads - an der Front in Syrien. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Wird Salma ihren Sohn finden, bevor es zu spät ist? Ob sie es schafft Mourad zurück nach Tunesien zu holen und die Blume am Ende doch noch blüht, soll offen bleiben. Es sei nur so viel gesagt: es wird dramatisch.

Die Regisseurin Ridha Behi schafft es, den Spielfilm so realitätsnah und berührend zu gestalten, dass es eine wahre Geschichte sein könnte, die das Schicksal vieler Familien wiederspiegelt. Die Aufnahmen und die Kameraführung führen einen so durch den Film, dass man das Gefühl hat, hautnah dabei zu sein. Mit der dramatischen Spannung und den Konflikten werden auch die Bilder zunehmend düsterer und ernster.

Die arabische Sprache sorgt für Realitätsnähe und Authentizität. Die Filmmusik ist dezent und dient lediglich zur Untermalung. Das Gesprochene steht in der Regel für sich und wird allein von den Worten und nicht von der Musik getragen. Viel Atmosphäre erlangt der Film auch durch die Hintergrundgeräusche, die durchaus auch in den Vordergrund rücken; zum Beispiel in den Kriegsszenen.

"The Flower of Aleppo" zeigt authentisch, direkt und berührend, welche Folgen der Arabische Frühling mit sich brachte. Es ist ein Film für jeden, der keine schwachen Nerven hat.


Audio

The Flower of Aleppo - Rezension

Download (5,64 MB)
TheFlowerofAleppo1.mp3





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