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"Punker siezen, Banker duzen" - Sedlmeir

Lockerer Rocker und eleganter Gentlemen. Henning Sedlmeir vereint beides auf authentische Art. Genauso locker, wie ernsthaft sprach er mit uns über seine Musik, sein neues Album Fluchtpunkt Risiko und brachte das Studio mit Löffeln zur Dekonstruktion.

Henning Sedlmeir brachte 2004 sein erstes Solo-Debütalbum "Hard Rock Roboter" heraus. Am 27. Oktober dieses Jahres ist das Release seines sechsten Albums "Fluchtpunkt Risiko". "Es klingt nach Gangster Rock", begründet Henning die Wahl des Albumtitels. Im Leben gäbe es nur eine Richtung, nämlich nach vorne. Henning schlüpft dabei in die Rolle eines Chronisten, der das Risiko, mit dem das Leben und die Zukunft verbunden ist, beschreibt.

Sedlmeir ist eine "One-man band". Er möchte etwas Neues machen, etwas, das man noch nicht gehört hat. Eine Mischung aus Punkrock und Chanson. Wie seine Songs entstehen? Es sei ein Warten auf den Urknall, eine Initialzündung. Wenn es dann geknallt hat, holt er sein Diktiergerät heraus und hält Textideen und Melodien fest. Diese Ideen reifen zu Songs heran, wie ein guter Wein. Ist die Idee gereift, kommt die Arbeit. Mit Bongos, Rasseln, Schlagzeug, Rhythmus-Maschine und der obligatorischen E-Gitarre entsteht die Musik zu seinen Texten. Minimalistisch "das zu sagen, was zu sagen ist", ist die Intention seiner Musik.

Bei seinen Livekonzerten ist Henning als "One-man band" auf sich selber gestellt. Mit der E-Gitarre, den Playback-Beats und seiner Stimme performt er seine Songs auf minimalistische Art. Zuerst baut er Spannung auf, spielt immer schnellere und lautere Songs, bis hin zum schnellsten und lautesten Song. Dann gibt einen Bruch, die Songs werden langsamer. Die optische Komponente seiner Konzerte sind schwarz-weiße Bildprojektionen oder Filme im 50er Jahre Stil, die assoziativ, ergänzend und entertainend im Hintergrund laufen.

"Punker zu siezen und Banker zu duzen" findet Henning witzig, deshalb siezt er sein Publikum. Vielleicht verleiht ihm das in Kombination mit seinem eleganten Kleidungsstil Seriösität. Er nimmt sich selbst zwar nicht als sehr seriös wahr, aber wenn man seriös im Sinne von Klasse versteht, "dann zieh' ich's mir gern an", meint Henning.

Konservatismus lehnt er ab. Die Angst in einem, ist das, was zum Überversichern führt. Vollkasko, auf Nummer Sicher gehen. Das nimmt dem Leben den Spaß und die Würze. Trotzdem hat jeder einen kleinen Spießer in sich, meint Henning. Wer richtig leben will, der muss Risiko eingehen und Mut aufbringen, wie er in "Fluchtpunkt Risiko" beobachtet.

Hennings Ideal ist es, ein gutes Einkommen nur durch Kunst und Musik zu bestreiten und das zu machen, was er wirklich will. Zur Zeit geht das ganz gut, auch wenn man davon keine Familie ernähren kann. Wenn sein Plan irgendwann nicht mehr aufgeht, "dann mach ich halt noch nen Taxischein oder so".

Henning lebt in Berlin. Die vielen Menschen und Pläne, denen man nicht gerecht werden kann, können auch stressen. Aber die Vorzüge der Stadt überwiegen. "Du kannst halt irgendwie mit nem Fahrrad besoffen, mit ner Perücke falschrum, mit ner Flasche Vodka in der Hand durch die Straßen fahren und es interessiert keinen.". Diese Freiheit, Anonymität und Offenheit, die Aufgeschlossenheit der Menschen, die Kunstoffenheit, die kulturelle Vielfalt und Fusion - das schätzt Henning an Berlin.

Matzel konnte Henning dazu überreden eine A-capella-Version seines Songs "Dekonstruktion" zu singen. Seine Rasseln hatte Henning vergessen. Kein Problem. Er zeigte, dass Löffel mindestens genauso gut klingen.


Audio

Download (2,42 MB)
DekonstruktionSedlmeir.mp3


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InterviewSedlmeir.mp3



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