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Interview mit Angela Schenkluhn, Geschäftsführerin des Freien Radios "Wüste Welle"

Mit Angela Schenkluhn reisen wir mitten hinein in die wichtigen Bewegungen der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, die unsere Gesellschaft verändert haben.

Dies sind die Stationen, die Euch auf dieser Lebensreise erwarten:

 

1956 geboren, war sie eines jener begabten Kinder, die die durch die SPD-Regierung erwirkten Chancen auf höhere Bildung nutzen konnten. Damit bewegte sie sich einerseits aus dem Feld der Möglichkeiten ihrer Schicht heraus, transportierte aber andererseits das Bewusstsein eines politisch interessierten, kritischen Handwerkertums in ein neues Wirkungsfeld: einer ihrer Großväter war Metzgermeister, ihr Vater Maurer – und Gewerkschafter. Unter der Nazi-Diktatur betätigte die Familie sich im Widerstand.

 

In der Schule erlebte sie noch einmal die Kultur einer feudalistisch und national gesinnten Vergangenheit. Die 70er Jahre dagegen erfuhr sie als einen Aufbruch aus dem Schweigen der vergangenen Generationen in das Ausprobieren neuer Möglichkeiten, als Neudefinition von Menschsein, Frausein, Leben und dem machtvollen Entdecken der eigenen Möglichkeiten. Vieles, was heute selbstverständlich ist, sagt sie, wurde damals in die Wege gebracht, gegen allerlei Widerstände und Anfeindungen.

Ihre Generation war die nach den 68ern, die Zeit, in dem das biologisch-ökologische Bewusstsein entstand, Fachschaften und Bürgerinitiativen, Friedensbewegung und nicht zuletzt die Frauenbewegung, die gesamtgesellschaftlich gesehen mehr Fortschritte gebracht hat, als es heute vielen bewusst sein mag.

Angela Schenkluhn studierte wie viele andere zunächst auf Lehramt – stellte aber bald fest, daß Wissen zwar eine ihrer Leidenschaften war, nicht jedoch das Dasein als Lehrerin. Mit der Ausbildung als Gärtnerin wählte sie einen handfesten Beruf, als Tochter einer politisch gesinnten Handwerkerfamilie brachte sie die Wertschätzung dieser Arbeit mit. Aber die Wahl hatte auch noch einen anderen Grund: Sie zog in eine Landkommune. Sie gehörte zu denen, die wirklich ausprobierten, was der Zeitgeist munkelte: aufs Land, aufs Land, neue Lebensformen und biologischen Anbau praktizieren!

Die Gemeinschaften von damals stießen letztendlich an wirtschaftliche und auch menschliche Grenzen. Trotzdem hat die Bewegung bewirkt, daß vieles, das zuvor undenkbar schien, heute akzeptiert ist: verschiedene Lebensformen zum einen und ein ökologisches Bewusstsein zum anderen.

 Für Angela Schenkluhn war es die bewusste Entscheidung für die Gestaltung ihres persönlichen Lebens, ihrer Form der Beziehung, die sie eingehen wollte. Sie konnte wählen und sie tat es auch.

 

Das Leben auf der Scholle erwies sich als zuletzt karg, die wirtschaftliche Grundlage reichte nicht aus und die harte Arbeit der Hände lässt, wenn sie zuviel fordert, das Gehirn brach. Also zog sie mit ihrer Partnerin aus dem heimatlichen Norden in den tiefen Süden. Für ein paar Jährchen, so dachte frau.

Der Umzug erwies sich als Umbruch, auch als Bruch - als Einschnitt von unerwarteter Seite: Angela Schenkluhn sah sich einer schweren Krankheit gegenüber, die all ihre Pläne zu zerstören drohte. Doch hier erwies sich ihr Kampfgeist als hilfreich und sie ist somit auch ein Beispiel für das Überstehen und Bewältigen einer lebensbedrohlichen Krankheit.

In Oldenburg hatte sie mit anderen Frauen zusammen ein Frauenhaus aufgebaut, in Tübingen schloss sie nicht nur trotz aller Widrigkeiten ihr zweites Studium, Ethnologie und Religionswissenschaft, erfolgreich ab, sie wurde auch die erste Geschäftsführerin des BAF, des Bildungszentrums und Archivs zur Frauengeschichte Baden-Württembergs. Seit Juni 2002 ist sie nun Geschäftsführerin unseres Freien Radios, der Wüste Welle.

 

Sie wollte, wie sie sagt, niemals Karriere machen. Ich, die ich nur 3 Jahre nach ihr geboren wurde, erinnere mich an einen Slogan dieser Zeit, den der „Graswurzelrevolution“. Angela Schenkluhn ist ein Beispiel für diejenigen, die sich nah an dieser Wurzel bewegten, an der Basis, bei den Mitmenschen vieles bewegten in Richtung Freiheit und Miteinander. Und sie tut es noch immer.

 

Doch damit sei nur ein Umriss gegeben, aus der Sicht der Interviewerin. Hört selbst, was sie zu erzählen hat, macht Euch selbst ein Bild:


Audio

Herkunft

Download (5,16 MB)
AS_1_Familiengeschichte.mp3


Schulzeit

Download (9,99 MB)
AS_2_Schule.mp3


Erstes Studium

Download (4,68 MB)
AS_3_erstes_Studium.mp3


Die 70er 1

Download (10,58 MB)
AS_4_Zeitgeist_1.mp3


Die 70er 2

Download (14,36 MB)
AS_5_Zeitgeist_2.mp3


Widerstände

Download (3,3 MB)
AS_6_Anecken.mp3


Gartenbau und Landkommune

Download (6,2 MB)
AS_7_aufs_Land.mp3


Im Schwabenland

Download (28,21 MB)
AS_8_im_Schwabenland.mp3


Das Freie Radio

Download (17,63 MB)
AS_9_Das_Freie_Radio.mp3





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