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"Alba" Rezension - CineLatino 2016

Alba ist ein schüchternes Mädchen, das kurz vor ihrer Pubertät steht. Als ihre Mutter schwer krank wird, wird Alba zu ihrem Vater gebracht, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Alba lebt alleine mit ihrer Mutter Marga in einer kleinen Wohnung. Wo, das erfährt man im Film nicht so genau. Albas Mutter ist schwer krank; morgens muss ihr eine Pflegerin beim Anziehen helfen, den Rest des Tages liegt sie erschöpft im Bett und schläft. Alba währenddessen zieht sich alleine an und geht zur Schule. Meistens trägt sie ein weißes T-Shirt, eine Trainingsjacke und eine Jogginghose.

Während andere Mädchen in ihrem Alter zusammensitzen und über Schminke und den ersten Kuss tratschen, sitzt Alba abseits in sich zusammengesunken und knabbert an ihren Jackenärmeln. Als sie sich zu den anderen Mädchen dazusetzt, wird sie erst gar nicht bemerkt. Dann bemerkt eines der Mädchen Alba und die Gespräche verstummen. Alle schauen irritiert auf Alba, als würden sie stumm fragen „Was macht die denn hier?“.

Die Gespräche gehen weiter, die Blicke wenden sich ab und keiner achtet mehr auf Alba. Zu Hause sitzt Alba alleine am Küchentisch und puzzelt. Nur wenn sie schlafen geht, legt sie sich zu ihrer Mutter ins Bett. Eines Nachts wird Alba vom Stöhnen ihrer Mutter wach und bringt sie ins Badezimmer. Dort wird sie plötzlich bewusstlos und stürzt in die Badewanne.

Ein Mann bringt Alba dann zu ihrem Vater, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Während sie bei ihrer Mutter lebte, war Alba noch ein Kind. Kaum bei ihrem Vater angekommen, kommt sie in die Pubertät. Im Badezimmerspiegel entdeckt sie ihre ersten Achselhaare. In der Schule freundet sie sich – wenn auch zaghaft – mit dem Jungen Eva an. Auch den anderen Mädchen gegenüber versucht Alba sich zu öffnen und nimmt die Einladung zu einer Party an. Eine Klassenkameradin von Alba fragt sie, ob sie auf der Party bei einer Choreographie mittanzen möchte.

Hauptthema des Films ist die Pubertät: Wie geht das Kind selbst damit um? Aber auch: Wie gehen andere damit um? Schon zu Beginn des Films wirkt Alba sehr in sich gekehrt und verschlossen. Den Kontakt zu anderen sucht sie kaum. Auffallend ist jedoch auch ihre Mimik: Während andere Mädchen lachen, weinen, und sich ekeln, bleibt Albas Gesicht die meiste Zeit eher ausdruckslos. Ihr Körper ist ständig angespannt, sie geht meist langsam und mit steifen Schritten durch das Bild.

Diese starre Körperhaltung fällt besonders in einer Szene auf, als sich Alba mit ihren Klassenkameradinnen trifft, um die Choreographie einzuüben. Sie stolpert unbeholfen durch das Bild, woraufhin ihr die Klassenkameradinnen ein Video der Choreographie zeigen. Erst gegen Ende löst sich Albas Anspannung etwas und sie bewegt sich lockerer durch das Bild.

Doch auch Albas Vater muss versuchen, mit der neuen Situation klarzukommen. Seitdem er sich von Albas Mutter scheiden ließ, hatte er offenbar keinen Kontakt zu seiner Tochter. Als er sie am Bahnhof das erste Mal wieder sieht, starrt er sie aus der Ferne an; auf der Heimfahrt mit dem Bus sprechen beide kein Wort miteinander oder geben sich die Hand.

Zu Hause angekommen baut der Vater wortlos ein rosa Holzbett für Alba auf. Erst beim Essen stellt er ein paar Fragen: Geht sie immer noch auf die selbe Schule? Wann fängt die Schule an? Alles Fragen, deren Antworten er wüsste, hätte er in den letzten Jahren Anteil an Albas Leben gehabt. Alba antwortet auf diese Fragen nur knapp und einsilbig.

Aber auch mit der Pubertät seiner Tochter ist der Vater ziemlich schnell überfordert: Er geht mit Alba eines Tages zum Schwimmen, wo er Alba seine Mutter und ihre Großmutter vorstellt. Plötzlich schwimmt Alba blitzschnell weg und steigt aus dem Wasser. Während sie zu den Duschen geht entdeckt sie eine Blutspur an ihrem Bein – sie hat ihre Periode bekommen.

Nach dem Schwimmen kauft der Vater für sie Damenbinden, doch als die Apothekerin ihn fragt, welche er brauche (also mit Flügel, ohne Flügel) ist dieser verwirrt und sagt „Keine Ahnung. Irgendwelche für kleine Mädchen“. Im gesamten Film erfährt man interessanterweise nie den Namen des Vaters; man erfährt lediglich den Namen der Mutter, als Alba auf den Dachboden ihres Vaters geht und dort zwei Kisten mit den Namen "Marga" und "Alba" entdeckt.

Anfangs ist die Beziehung zwischen Alba und ihrem Vater ziemlich distanziert. Beide können miteinander nur wenig anfangen. Alba verheimlicht ihren Vater und schämt sich anfangs für ihn. Der Mutter einer Klassenkameradin verrät sie eine falsche Adresse, als diese sie nach der Tanzprobe nach Hause fährt. Auch als der Vater Alba auf der Party sucht, um ihr etwas wichtiges mitzuteilen, versteckt sich Alba zunächst in der Menge.

Nachdem ihr Vater rausgeschmissen wurde, blutet Alba plötzlich aus der Nase. Ihre Klassenkameradinnen machen sich über ihren Vater lustig, nennen ihn einen Junkie und einen Obdachlosen. Da ergreift Alba für ihren Vater Partei und schmiert einem der Mädchen ihr Nasenblut an die Wange und verlässt die Party. Generell scheint es so, dass Alba jedes Mal aus der Nase blutet, wenn sie einer besonderen Stresssituation ausgesetzt ist. Zum Beispiel, wenn sie einen Text vor der Klasse vorlesen soll oder sie ratlos das erste Mal in der Wohnung ihres Vaters steht.


Audio

Filmrezension Alba

Download (16,6 MB)
Alba_fertig.mp3





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