Login
AKTUELL 20.10.2017
Wegen einer Erkrankung des Workshopleiters müssen wir leider den Basisworkshop auf den 29. Oktober von 12 bis 17 Uhr verschieben. >> weiterlesen

 Infos und Regionales


Lokalmagazin


Beiträge & Artikel

CineLatino 2016 - Einblicke hinter die Kulissen und auf das Programm

Der Schwerpunkt beim 23. CineLatino liegt auf den Ländern Mexiko und Guatemala. Die Filme aus beiden Lädern zeigen tiefe Einblicke in das dortige Leben und Verständnis für die Menschen.

(Im Interview: Kathrin Frenz; Pola Hahn; Paulo Roberto de Carvalho)

Wenn die Berlinale auch nur eine Woche später stattfindet als sonst, kann es schon mal zu Zeitdruck in der Programmplanung für das CineLatino kommen. "Denn auch auf der Berlinale werden unter anderem Filme aus lateinamerikanischen Ländern gezeigt, von denen wir möglichst viele mitnehmen möchten", erzählt Kathrin Frenz, die zusammen mit Pola Hahn unter anderem für die Festivalkoordination zuständig ist.

Bevor ein Film in das Programm aufgenommen werden kann, muss vorher hart verhandelt werden. Dabei müssen auch Details geklärt werden, wie zum Beispiel: Existiert eine Filmkopie? Gibt es keine, müsste der Film gegen eine Gebühr ausgeliehen werden und das dauere oft zu lang und sei auch zu kompliziert.

Bei der Auswahl von Filmen regiert die Ausgewogenheit - es soll von allem ein bisschen dabei sein. "Wenn wir zum Beispiel merken, dass wir schon ziemlich viele Dokumentarfilme haben, dann versuchen wir, zum Beispiel noch ein paar Spielfilme mit reinzunehmen", erzählt Kathrin Frenz.

Das Schwerpunktland Mexiko - so Paulo Roberto de Carvalho - sei ein Land mit einer guten, einer starken Filmförderung und gebe auch Privatpersonen die Möglichkeit, Filme zu produzieren. Geld erhalten die Produzenten zum Großteil von der mexikanischen Regierung; bei Co-Produktionen zum Beispiel zwischen der EU und Mexiko steuert auch die Europäische Union einen Beitrag dazu bei, um die Filmemacher zu fördern.

Nur in der Provinz funktioniere die Filmförderung nur bedingt: "Es gibt zwar Regionalfonds, die geschaffen wurden; aber der Großteil der Filme kommt aus Mexico-City", so Paulo Roberto de Carvalho.

Viele der Filme beschäftigen sich teilweise mit alltäglichen Dingen, aber auch mit Ereignissen, von denen man kaum etwas erfährt. Es sei denn, jemand spricht darüber.

Der Film "Tempestad" (übersetzt: Unwetter) beschäftigt sich mit einem politischen Beispiel: Der Film porträtiert zwei Menschen, die unschuldig in Gefängnisse geschickt werden. Diese Gefängnisse werden jedoch nicht von der Regierung, sondern von einem Drogenkartell regiert und geleitet.

Im Gegensatz dazu steht der Film "Club Sándwich", in dem die enge und intime Familienbande einer Mutter und ihrem Sohn thematisiert wird. "Innerhalb des Programms versuchen wir vor allem einen menschlichen Blick einzufangen; also mal was hektisches und dann man was poetisches zu zeigen", sagt Paulo Roberto de Carvalho.

Diesen "menschlichen Blick" kann man zum Beispiel im Film "Llévate mis amores" (Nimm Liebes von mir mit) ganz gut sehen: Die Frauengruppe "Las Patronas" wirft seit 1995 Essenspakete auf fahrende Züge und helfen damit den Passagieren, die gerade auf dem gefährlichen Weg von Mexiko in die USA sind.

Aber auch der Eröffnungsfilm des diesjährigen CineLatino ist ein Augenfänger für sich: "El abrazo de la serpiente" (Der Schamane und die Schlange – Eine Reise auf dem Amazonas) handelt von dem Botaniker Evans, der sich auf den Weg in den Dschungel macht und dort den Schamanen Karamakate besucht. Gemeinsam suchen beide nach einer heiligen Pflanze.

Der Film basiert auf Tagebucheinträgen des Botanikers; der Regisseur saß lange an dem Drehbuch, denn es ist nicht immer einfach, aus Tagebucheinträgen einen guten Film zu basteln. Schwer schuften musste allerdings auch das Filmteam, welches sich bei den Dreharbeiten etwas "zurückgesetzt" vorkam. Der Grund: Das Team musste die ganze Ausrüstung über Berge und durch Täler schleppen; das Drehen war bei diesem Film anders als normalerweise.

Der Fokus bei den Filmen aus Guatemala liegt dieses Jahr auf den Menschenrechten. Als Gast ist hier Uli Stelzner eingeladen, der 2010 in Guatemala das Menschenrechtsfestival Muestra de Cine Internacional Memoria Verdad y Justicia gründete. Von Beginn an hatte das Festival mit Repressionen und Zensuren zu kämpfen. Teilweise war Uli Stelzner gezwungen, von sich selbst aus zu zensieren und bestimmte Filme zum Beispiel nicht zu zeigen. Schließlich beschloss Stelzner das Festival nicht mehr in Guatemala abzuhalten und das Filmfest ging ins Exil.

In Guatemala selbst gibt es eine hohe Straflosigkeit; Korruption gehört beinahe zum Alltag, viele Gewalttaten werden erst gar nicht aufgeklärt, Vergangenheitsbewältigung findet nicht statt.

Im Dokumentarfilm "Burden of Peace" wird die ehemalige Generalstaatsanwältin von Guatemala, Claudia Paz y Paz, porträtiert. Sie versuchte, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern und schafft es sogar den Ex-Militärdiktator Montt wegen Völkermords zu verurteilen. Allerdings wurde sie recht schnell wieder abgesetzt und sie selbst war danach in Gefahr. Zeitweise wanderte sie nach Spanien aus; heute untersucht sie in einer internationalen Kommission das Verschwinden der 43 Studenten in Mexiko.

Gefährlich leben allerdings auch die Breakdancer im Film "BBoy 4 Life". Der Film zeigt einen Einblick in die künstlerische Szene von Guatemala, die durchaus vorhanden ist. Allerdings ist hier die Kunst beziehungsweise das Tanzen weniger ein Mittel zum Ausdruck, sondern vielmehr ein Mittel zum Ausweg. Die Breakdancer selbst leben gefährlich, nicht zuletzt, weil viele Menschen nur wenig Verständnis für sie aufbringen können. Trotzdem tanzen die Breakdancer weiter und zeigen den Jugendlichen so, dass es auch andere Wege gibt, um Erfolge im Leben zu haben.


Audio

Einblicke in CineLatino 2016 - kurz

Download (17,84 MB)
Cinelatino_kurz.mp3


Einblicke in CineLatino 2016 - lang

Download (71,96 MB)
Cinelatino_lang.mp3





Freies Radio Wüste Welle, Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen :: +49 7071 760 337 :: buero@wueste-welle.de