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Nachrichten vom 21.03.2016

Offener Brief von Geflüchteten

Geflüchtete aus der Kreissporthalle in Derendingen haben jetzt einen offenen Brief an Landrat Joachim Walter geschrieben. Darin beklagen sie die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in der Halle. Es mangele vor allem an Privatsphäre und Ruhe. Außerdem sei die Luft schlecht und die Waschgelegenheiten nicht dazu geeignet, Kinder zu baden. Die Massenverpflegung und die permanente Aufsicht durch Wachpersonal seien weitere Gründe für die Unzufriedenheit. Insgesamt leben mehr als 250 Geflüchtete mit neun verschiedenen Nationalitäten in der Kreissporthalle; die meisten von Ihnen kommen aus Syrien. Das Landratsamt will nun versuchen, Schwangere und Kranke anderweitig unterzubringen. Diese zählen laut EU-Aufnahmerichtlinie zur Gruppe der schutzbedürftigen Flüchtlinge. Allerdings sind die räumlichen Kapazitäten im Landkreis begrenzt. Darum sucht auch der Unterstützerkreis nach alternativen, privaten Unterkünften. Das sei erlaubt, auch wenn es dafür kein Geld gebe.

Straßenprojekte

Vergangene Woche wurde der Bundesverkehrswegeplan vorgestellt, darin wurde der B27-Bauabschnitt zwischen Nehren und Bodelshausen in die höchste Kategorie "vordringlicher Bedarf mit Engpassbeseitigung" eingestuft. Das ebenfalls ausschlaggebende Nutzen-Kosten-Verhältnis wurde mit dem Faktor 5,1 sehr hoch bewertet. Der Schindhautunnel für die B27 bei Tübingen steht ebenso wie die B28-Ortsumfahrung Unterjesingen in der zweiten Kategorie "vordringlicher Bedarf". Der Schindhautunnel hat jedoch einen hohen NKV-Faktor von 4,8, die Ortsumfahrung die Bewertung 2,8. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer kündigte eine Stellungnahme zu der Einstufung an. Es sei nicht zu erkennen, weshalb der Engpass im Steinlachtal dringlicher sei als der bei Tübingen. Rückendeckung erhält er dabei von seinen Mössinger und Ofterdinger Kollegen. Weitere Kriterien für die Umsetzung sind städtebauliche Beurteilung, umwelt- und naturschutzfachliche Beurteilung, der Planungsstand sowie die verfügbaren Finanzmittel. Die Gäubahn hat allerdings keine Chancen auf Ausbau.

Sanierung statt Neubau

Die Musikschule in der Frischlinstraße wird saniert und erweitert. In diesem Jahr wird der Brandschutz verbessert, von November 2017 an wird gebaut - bei laufendem Schulbetrieb. Im Sommer 2019 soll alles fertig sein. Rund 4,7 Millionen Euro sind dafür veranschlagt – ein Neubau samt neuem Kindergarten würde etwa 9 Millionen Euro kosten. Geplant ist nun, den maroden Schlagzeugpavillon abzureißen. Neue Schlagzeugräume werden in einem Anbau am westlichen Flügel (links) untergebracht. Es sollen mehr Proberäume entstehen und die Aula bekommt an ihrem runden Erker einen Anbau mit zwei großen Räumen. Die Sanierung soll eilig voran gehen, denn tragende Betonstützen und die Dachkonstruktion seien bereits angegriffen. Außerdem sei der Brandschutz noch nicht ausreichend. Im November 2017 soll es mit den Sanierungen und den Anbauten losgehen. Diese sollen in einem Zug erledigt werden und bis Juni 2019 abgeschlossen sein. Der Unterricht geht während der Bauarbeiten weiter, wenn auch eingeschränkt.

Betz-Gelände vor Verkauf

Die Stadt Reutlingen will einen Teil des Geländes der Firma Betz kaufen. Zusammen mit den Flächen, die die Stadt bereits besitzt, möchte sie diese erworbenen Flächen nutzen, um Unternehmen darauf anzusiedeln. Schon im April 2015 stellte die Verwaltung fest, dass Reutlingen zwar die Ausgaben einer Großstadt, allerdings die Einnahmen einer Kleinstadt habe. „Wir brauchen auch eine stärkere Zunahme an Beschäftigten“, sagte Finanzverwalter Kreher damals gegenüber dem Schwäbischen Tagblatt. Sowohl die Firma Betz als auch die Stadt Reutlingen schwiegen bisher über diese Kaufabsichten. Der Verwaltung war es jedoch wichtig, privaten Käufern zuvorzukommen. Der Kauf ist noch nicht bestätigt, stehe aber offenbar kurz vor dem Abschluss.

Dichterviertel Dusslingen

In Dußlingen sollen 46 neue Häuser an der Schillerstraße direkt im Ortskern entstehen. Der Gemeinderat und die Verwaltung planen einen maßgeblichen Schritt in Richtung Nachverdichtung: In den kommenden Jahren sollen die neuen Häuser direkt am B27 Tunnelpark entstehen. Der Projektname des Großvorhabens lautet „Dichterviertel.“ Die Bebauung soll in drei zeitliche Abschnitte gegliedert werden. In jedem Jahr der Verwirklichung sollen 15 Häuser fertiggestellt werden. Zu jedem Haus gehören zwei Carports oder Stellplätze. Zusätzlich gibt es zehn öffentliche Stellplätze im Gebiet. Im Kern des Baugebiets ist ein größerer Spielplatz geplant.

Einigung im Outlet-Streit

Der Streit um die Fabrikverkaufsflächen in Metzingen ist beigelegt. Die Städte Reutlingen und Tübingen haben sich mit Metzingen auf eine Wachstumsobergrenze der Fabrikverkaufsflächen geeinigt. Allerdings müssen die Gemeinderäte noch zustimmen. Im Februar 2015 hatte das Regierungspräsidium in einem raumordnerischen Verfahren dem Vorhaben zugestimmt, die Hugo-Boss-Outlets zu erweitern. Dagegen hatte die Stadt Reutlingen, unterstützt von der Stadt Tübingen, geklagt. Einen entscheidenden Beitrag an der Einigung hatte der Tübinger Regierungspräsident Jörg Schmidt, der als Moderator eingeschalten worden war. Es gab viele Gespräche in verschiedenen Konstellationen. Gemeinsam sei es schließlich gelungen, sich zu einigen.

Feedback statt Medikamente

Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (kurz: ADHS) werden oft mit Medikamenten behandelt. Eine Alternative dazu ist das Neurofeedback. Um dieses zu verbessern, arbeiten Wissenschaftler der Graduiertenschule LEAD der Uni Tübingen an einer neuen Studie, an der Kinder, die an ADHS leiden, teilnehmen können. Neurofeedback ist eine nicht-medikamentöse Therapie. Damit lernen die Betroffenen Strategien, mit welchen sie ihre Hirnaktivität regulieren und ihre Konzentration und Impulskontrolle steigern können. Dadurch können sich kognitive und schulische Leistungen verbessern, da das Gehirn besser durchblutet wird. Teilnehmen können Kinder der 1. bis 4. Grundschulklasse, bei denen der Verdacht besteht, dass sie an ADHS leiden oder bereits diese Diagnose erhalten haben. Teilnehmer erhalten bei Bedarf 15 Neurofeedback-Sitzungen von je einer Stunde. Interessenten können sich an der Uni Tübingen melden. Biofeedback@psycho.uni-tuebingen.de

JugendArt

JugendArt Reutlingen ist eine städtische Einrichtung zur Unterstützung von Jugendlichen bei der Umsetzung eigener Kulturprojekte. Aus einer Initiative von JugendArt hervorgegangen sind beispielsweise die mittlerweile etablierten Festivals KuRt und Burning Eagle. 2016 stehen zwei neue Events an: Am vergangenen Samstag gab es das Breakdance Battle „Bring it on the floor“. Im Juli soll dann das Holi-Fest in Rommelsbach steigen, passend zum aktuellen Projekt des Jugendtreffs „Bunte Beatbox“. JugendArt unterstützt auch das Jugendtheaterprojekt zwischen Reutlingen und der Partnerstadt Bouaké. Jugendliche aus beiden Städten entwickeln ein Stück über die Flucht von Afrika nach Europa. Die Premiere wird am 19. Juli im Franz.K zu sehen sein.

Beschluss gegen Plakatwerbung

Wie groß und auffällig darf die Plakatwerbung in Unterjesingen sein? Mit dieser Frage musste sich der Ortschaftsrat am Mittwoch Abend zum zweiten Mal auseinandersetzen. Begonnen hatte die Diskussion mit zwei Baugesuchen zum Aufstellen großer Werbeflächen an der Ortsdurchfahrt. Viele Ratsmitglieder waren der Meinung, dass diese Plakate schädlich für das Ortsbild des historischen Kerns seien. Die Gesuche wurden zwar vor der Sitzung wieder zurückgezogen. Trotzdem fürchtet der Rat, dass solche Anträge in Zukunft wieder kommen könnten. Bereits Mitte Februar versuchte der Ortschaftsrat darüber örtliche Bauvorschriften zu beschließen. Der Beschluss scheiterte jedoch an der Befangenheit mehrerer Ratsmitglieder. Die befangenen Ratsmitglieder waren dieses Mal nicht stimmberechtigt und mussten sich auf die Stühle setzen, die für das Publikum gedacht sind. Die übrigen stimmberechtigten Ratsmitglieder stimmten für eine Ergänzung der örtlichen Bauvorschriften. Demnach werden Werbeplakate und Tafeln für die gesamte Jesinger Hauptstraße geregelt.

Kunst, Krieg und Religion

Unter dem Titel „Rebellion, Religion, Reform“ wird in Reutlingen eine neue Ausstellung im Spendhaus gezeigt. Im ersten Stock werden verschiedene Kunstwerke von verschiedenen Künstlern und Aktivisten ausgestellt . Alle Künstler und Aktivisten lebten in Zeiten eines Umbruches. Die Kunstwerke sollen einen Einblick geben, wie die Künstler und Aktivisten zu jener Zeit gehandelt haben. Daniel Rode zum Beispiel entwarf eine Leuchtreklame mit dem Wort „Riot“. Während des arabischen Frühlings lebte er 3 Jahre lang in Kairo. Eine Leuchtreklame des Hotels Mariott inspirierte ihn schießlich zu seiner Leuchtreklame. Die Aktivistin Nadia Plungian prangert das Putin-Regime an – und das in Schablonengrafik, mit Transparenten und einem Fernsehschirm, auf dem der allererste russische Trickfilm zu sehen ist. Auch Traktat-Bücher und Flugblätter aus Zeiten der Reformation kann man im ersten Stock finden – allerdings eingeschlossen in einer Vitrine. Im zweiten Stock hängt unter anderem Grieshabers Serie von 1974/75 zum Bauernkrieg.

Lyrik aus dem Exil

Vergangenen Mittwoch war in Mössingen in der Reihe "Verständliche Wissenschaft" die "Lyrikbühne Esslingen" zu Gast. Die Poesie als eine interkulturelle Sprache mit der Heimatverlust und Fremdheit darstellbar werden, stand auf dem Programm. Der Literaturwissenschaftler Harald Vogel und der Maler und Musiker Johannes Weigle inszenierten Lyrik von Dichtern aus verschiedenen Ländern. Johannes Weigle nutzte dazu verschiedene Instrumente: das Klavier, die türkische Darbuka, ein Lamellophon und seine Gitarre per Geigenbogen als Cello. Zwischen die Poesie stellte Harald Vogel Betrachtungen über Asyl, Migration, Heimat beispielsweise von Hannah Arendt und Umberto Eco.




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