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Christoph Maria Sanders über die sozial-ökologische Transformation

Der Politikwissenschaftler Christoph Maria Sanders ist an der Frage nach einer friedlichen und nachhaltigen Gesellschaftsformation im Allgemeinen interessiert. Dabei beschäftigt er sich verstärkt mit der individuellen Seite einer sozial-ökologischen Transformation. Ihn reizt die interdisziplinäre Komponente aus Politik, Wirtschaft, Philosophie und Soziologie und nutzt die Arbeit an diesem Themenkomplex auch, um sich selbst und sein Wirken in der Gesellschaft zu hinterfragen und zu verändern.

Besonders wichtig ist ihm der Aspekt der Wachstumskritik bei der sozial-ökologischen Transformation und stellt drei Argumentationslinien vor: ökologisch, ethisch und kulturkritisch. Der Klimawandel ist nur zu bremsen, wenn die Kohlenstoffintensität unserer Wirtschaftsaktivitäten im Vergleich zu heute deutlich sinkt. Die Green Economy erreicht lediglich eine relative und keine absolute Entkopplung des Wachstums vom Co2-Austoß, aufgrund des Rebound-Effekts, d.h. die Einsparungen werden nicht ausgeschöpft. Das ethische Argument fordert globale Gerechtigkeit, Pflicht zu Hilfe statt Mildtätigkeit. Das aktuelle wachstumsbasierte Weltwirtschaftssystem reproduziert dagegen Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Armut.

Die kulturkritische Komponente der Wachstumskritik basiert auf der Beschleunigungstheorie von Hartmut Rosa, eine soziologische Arbeit zur temporalanalytisch neu interpretierten Moderne, zu deren Folgen neben Individualisierung und Rationalisierung eben auch Beschleunigung gehört. Der Beschleunigungszirkel ist eine Art Teufelskreis, der sich selbst vorantreibt und aus technischer Beschleunigung, Beschleunigung des sozialen Wandels und der Beschleunigung des Lebenstempos besteht . Soziale Beschleunigung steigert die Gefahr von schwerwiegender sozialer Enfremdung und psycho-sozialen Pathologien wie Burnout oder Depressionen.

Christoph Sanders beschreibt ein theoretisch-abstraktes Phänomen anschaulich und mit vielen praktischen Beispielen aus dem Alltag, er zitiert Texte von Rainald Grebe und Herbert Grönemeyer und erklärt das Paradoxon, dass wir weniger Zeit haben, obwohl wir so effektiv wirtschaften. Und er gibt einen Ausblick auf seine Forschungsarbeit, die sich mit der Trennung von Natur und Kultur auseinandersetzen wird.



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