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Nachrichten vom 19.12.2011

Braun-weißer Sammelband

Vom braunen Hemd zur weißen Weste heißt ein neuer Sammelband in der Reihe „Kleine Tübinger Schriften“. Enthalten sind umgearbeitete Vorträge zur Tübinger Nachkriegsvergangenheit. Sie beschäftigen sich mit der Entnazifizierung in Stadt und Universität, der Verdrängung von Naziverbrechen, den Geschichtslügen des hiesigen Grabert-Verlages und der Kultur- und Medienpolitik. Bei der Präsentation des Sammelbandes betonten die Redner ein lebendiges Gedenken mit regionalen Erinnerungsansätzen. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart gebe es Wechselwirkungen. Die Forschung bringe neue Fakten ans Licht und die Geschichte könne immer wieder neu erzählt werden. Für Tübingen forderten die Referenten ein institutionalisiertes Lern- und Dokumentationszentrum.

Gedenktafel

Die Tübinger Anwaltskammer hat eine Gedenktafel zu Ehren von ehemaligen jüdischen Kollegen gestiftet. Die Tafel erinnert an vier Anwälte, die von den Nationalsozialisten aus dem Amt gejagt worden sind. Eine systematische Entrechtung machte aus hoch geachteten Mitbürgern tief geächtete Menschen. Die Gedenktafel solle ein Zeichen setzen gegen die braune Brut.

Hornhaut-Herstellung

Die Tübinger Uni-Augenklinik hat als eine von sechs Augenkliniken in Deutschland eine Herstellungserlaubnis für Hornhäute erhalten. Die vom Regierungspräsidium erteilte Erlaubnis gilt für die Gewinnung von Spendergewebe wie der Hornhaut und der das Auge umhüllenden Lederhaut, deren Verarbeitung, Konservierung, Prüfung, Lagerung und Weiterverwendung. Für die Entnahme und Weiterverarbeitung von Gewebe gelten die strengen Regelungen des Gesetzes über den Verkehr mit Arzneimitteln.

Walter-Schwenninger-Preis

Walter Schwenninger ist der Gründervater der Städtepartnerschaft zwischen Tübingen und Villa El Salvador. Er verstarb im September 2010. In Peru kommt er jetzt noch einmal zu Ehren. Denn am 15. Dezember wurde im Süden von Lima erstmals ein Walter- Schwenninger- Preis verliehen. Ausgezeichnet werden sollen lokale Institutionen und Projekte, die sich für soziale Gerechtigkeit, Frieden und den Schutz der Natur einsetzen. Zu den Preisträgern gehört auch die kirchliche Altenbegegnungsstätte „Los Martincitos“. Seit vielen Jahren kümmert sich die Institution um die Ärmsten der Armen in der Tübinger Partnerschaft.

Professorin zum Islamzentrum

Leilia Demiri wurde von der Universität Tübingen zur Professur am Islamzentrum berufen. Die Islamwissenschaftlerin hat eine interessante Biographie. Zuerst studierte die gebürtige Mazedonierin islamische Theologie in Istanbul, anschließend katholische Theologie in Rom, dann folgte das Lizenziat in Inter-religious studies in Gregoriana und schließlich promovierte sie in Cambridge. Seit 2010 forscht sie sie am Wissenschaftskolleg in Berlin. Sie wird die Stelle, wenn alles gut läuft, schon nächstes Wintersemester antreten. Bis dahin soll auch der Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik besetzt worden sein. Es gibt auch weiterhin Diskussionen, ob man noch zwei Juniorprofessuren annimmt. Momentan sind 36 Studenten eingeschrieben.

Zielvereinbarung

Fachvertreter und das Rektorat der Universität Tübingen besprechen die Zukunft von verschiedenen Fachrichtungen. Die Schriftstücke, in denen die Zukunft der verschiedenen Fachbereiche festgehalten wird nennt man ‚Commitments‘. Die Geowissenschaft machte den Anfang. Man wolle den Frauenmangel untergraben, indem schon bei den Professurausschreibungen darauf geachtet wird, die Stelle nicht zu eng zu fassen. Solche, aber auch Ideen zur Finanzierung von Stellen und neue Studienziele wurden besprochen. Momentan führt das Rektorat mit der Informatik Gespräche, die bis Januar 2012 abgeschlossen werden sollen. Künftig sollen auch Gespräche nicht nur von Rektorat zur Fachrichtung gehen, sondern das Sekretariat und die Verwaltung mit einbinden.

9. Städtischer Energiebedarf

Allmählich zahlen sich die vielen Millionen für die Sanierung der städtischen Gebäude aus. Im Jahr 2010 verbrauchte die Unistadt witterungsbedingt elf Prozent weniger Heizenergie als im Jahr zuvor. Der Wasserverbrauch in den städtischen Liegenschaften ist 2010 um ein Prozent zurückgegangen. Die Kosten sind wegen höherer Preise trotzdem angestiegen. Ebenfalls um ein Prozent auf rund 150 000 Euro.

10. Etat 2012

Tübingens OB Boris Palmer und sein Finanz-Chef Michael Lucke erwarten für 2012 Rekord-Steuer-Einnahmen von 76 Millionen Euro. Noch hat man das Geld aber nicht, dafür aber voraussichtliche 80 Millionen € Kosten für Bauvorhaben von 2012 bis 2015, die ohne neue Schulden erstellt werden sollen. 22 Millionen sind für die Sanierung der beiden Rathäuser vorgesehen, über 32 Millionen sollen für Tübingens Schulen bereitstehen. Weitere 14 Millionen sind für Zinserdreieck, Europaplatz und das Sanierungsgebiet östliche Altstadt vorgesehen. Dazu kommen zwei Kinderhäuser am Lindenbrunnen und im Feuerhägle.

11. Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn

Die Tübinger Journalistin Marianne Moesle rekonstruierte die Flucht von Zekarias Kebraeb aus Eritrea als Tagebuch-Protokoll. Da er nicht in den Militärdienst einer Diktatur eintreten wollte, drohten ihm Folter und Haftbedingungen. Es ging zu Fuß in den Sudan, durch die Wüste auf einer vollgepackten Ladefläche eines Lasters, im Obsttransporter nach Trippolis, auf einem mit Flüchtlingen überladenen Boot über das Mittelmeer und durch verschiedene Flüchtlingslager. Nach vielen weiteren Stationen gelang Zekarias Kebraeb nach Treuchtlingen, wo er ein vorläufiges Bleiberecht erhielt. Insgesamt war er vier Jahre unterwegs. So ergeht es vielen Flüchtlingen, und nicht alle überleben die Strapazen der Flucht. Auf Zekarias Kebraeb aufmerksam, wurde die Tübinger Journalistin 2008, über einen Weihnachtsartikel im Internet. Der heute 26-jährige ist mittlerweile als politischer Flüchtling anerkannt, hat die Hauptschule absolviert und eine Lehre gemacht. Sein Traum ist es, Sozialarbeiter für andere Flüchtlinge zu werden. Das Buch „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn“ erschien im Bastei-Lübbe-Verlag.

12. Textil-Parcour

In der Rottenburger Volkshochschule klärten vergangene Woche die beiden Entwicklungshelfer Herberet und Linda Rädler über die herstellung billiger Textilien auf. Baumwolle wird mit extremen Giften wie Agent Orange behandelt, von denenRückstände davon in den Fasern bleiben. Geerntet wird die giftige Baumwolle häufig von Kindern. Auch beim Färben werden in Ländern mit mangelnden Auflagen giftige Substanzen verwandt, die die Umwelt verseuchen. Bio-Baumwolle macht mnur einen halben Prozent Marktanteil aus. Mit einem Textilparcour versuchten sie, die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Kleidung darzustellen. Selbst die Wiederverwertung von Textilien aus Kleidersammlungen hat negative Auswirkungen für die Menschen dieser Regionen.



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