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"Die Glasmenagerie" im Zimmertheater

Anläßlich der Premiere des Tennesee Williams Stückes „Die Glasmenagerie“ am 10.12.2011 im Zimmertheater besuchten uns am 9.12.2011 Intendant Axel Krause und Dramaturg Michael Hanisch.

Michael Hanisch ist seit September beim Zimmertheater. Er hat in Absprache mit dem Regisseur die „Strichfassung“ des Stückes erarbeitet. Denn meist sind die Stücke viel zu lang für die modernen Sehgewohnheiten. Zu Shakespeares Zeiten ging man noch mit dem Picknickkorb einen Tag lang ins Event-Theater. Doch auch Stücke moderneren Datums sprengen häufig den Zeitrahmen eines abendlichen Theaterereignisses. Allerdings haben sie oft eine Vorgabe, wieviel Kürzung statthaft ist. Bei Tennesee Williams gibt es sogar ganz genaue Anweisungen für die Art der Aufführung.

Tennesee Williams ist ein Autor, bei dessen Stücken die Zeit, in der sie entstanden, immer präsent ist, erklärte uns Axel Krauße. Er ist einer der beiden Intendanten des Zimmertheaters und der Regisseur des Stücks. Für ihn war das aber weniger eine Beschränkung als vielmehr ein Ansporn, diesen zeitlichen Rahmen angenemessen auch im Sinne passender Requisiten umzusetzen – wie im Falle dieses ganz gewissen zentralen Gegenstandes, den inzwischen viele gerne hätten...

Tennesee Williams hätte in diesem Jahr seinen 100.Geburtstag gefeiert, er wurde 1911 im US-Bundesstaat Mississippi geboren. Die „Glasmenagerie“ spielt im St. Louis der 30er Jahre und verarbeitet persönliche Erfahrungen des Autors. Das Stück passt in das Jahresthema „Familienbande“ des Zimmertheaters. Für Axel Krauße war dies die Gelegenheit, ein Stück zu inszenieren, das ihn schon lange interessierte. Dessen  zeitlose Qualität liegt für ihn in der Psychologie der Personen, in den sorgfältig herausgearbeiteten Beziehungen. Dabei sind diese Beziehungen mehrschichtig, erklärte er uns, jede Person hat auch eine symbolische Bedeutung. So steht beispielsweise die Mutter der dargestellten vaterlosen Familie für die Werte einer untergegangenen glanzvollen Epoche, der Besucher, von dem sie sich eine Verbindung mit ihrer gehbehinderten Tochter erhofft, vertritt einen rührigen Zukunftsoptimismus.

Dramaturg Michael Hanisch war von dem Konflikt des Sohnes fasziniert. Ihn interessierte die innere Konfrontation zwischen dem eigenen Wünschen und Wollen und dem Vermögen, dieses Wollen auch umzusetzen.

Somit ist Tennesee Williams wohl ein Autor, dem es gelang, im Gefüge eines bestimmten Ortes zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte zeitlose menschliche Konflikte herauszuarbeiten. Wie das Zimmertheater dies umsetzt – davon können sich die geneigten HörerInnen selbst überzeugen. Weitere Aufführungstermine nach der Premiere am 1012. sind der sind der 10./14./16./26. und 27. 12 2011 sowie der 6./7. und 12. 1 und der 3.2.2012 .

Das Gespräch mit Axel Krauße und Michael Hanisch gibt es hier zum nachhören:



Audio

Download (53,94 MB)
zimmertheater.mp3





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