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Nachrichten vom 18.12.09

Kommerz Kontra Kultur

Der Gemeinderat hat entschieden. Der Park am Anlagensee ist jetzt reserviert fürs Public Viewing zur Weltmeisterschaft im Juni 2010. Weichen muss dafür das Ract!-Festival. Im Ringen um den Anlagenpark fand der WM-Park der Tübinger Gastronomen mehr Stimmen als das Jugendfestival mit politischem Anspruch. Gegensätze prallen aufeinander. Vier Wochen Gastro-Event mit Nationalfahnenschwingenden Menschenmassen gegen drei Tage Workshops und Konzerte. Ehrenamtliches Jugendengagement gegen kommerzielle Interessen alteingesessener Gastronomen. Das Votum für den WM-Park könnte das Aus für eines der größten kostenlosen Jugendfestivals bedeuten. Ob das Ract!-Festival an einem anderen Ort oder zu einem anderen Termin stattfinden kann, ist mehr als fraglich. Der alte Botanische Garten ist im Gespräch, doch der zuständige Leiter des Bau- und Vermögensamtes lehnt das ab. Auf dem Festplatz scheint es ebenfalls unmöglich. Damit opfert die Stadt womöglich eines der beliebtesten Jugendfestivals in Süddeutschland zu Gunsten der fußballglotzenden, grölenden Horden.


Weihnachtliche Selbsträumung


Am gestrigen Donnerstag, dem 17. Dezember zogen die Studierenden, die seit etwa sechs Wochen den Tübinger Kupferbau besetzt gehalten hatten, für die Feiertage aus. Die Besetzer wurden diesmal nicht von Uni-Leitung und Polizeigewalt zum Auszug genötigt, sondern zogen freiwillig in die „Weihnachtsferien“. Besinnlich war der Auszug allerdings nicht. Nach einer studentischen Vollversammlung, dem Plenum zusammen mit Vetretern des Rektorats und einer Auszugsparty mit „Los Franco Neros“ am Mittwoch abend fand am Donnerstag im direkten Anschluss an den Auszug eine weitere Demo in Tübingen statt. Die ca. 500 Teilnehmenden zogen durch die Tübinger Innenstadt und machten noch einmal mit Transparenten und Sprechchören auf ihre Forderungen und den Notstand im deutschen Bildungssystem aufmerksam. Die Studierenden betonten, dass der Auszug alles andere als eine Kapitulation darstellen soll. Niemand solle glauben, dass wichtige Forderungen der Protestierenden seitens Uni oder Politik erfüllt worden seien. Vielmehr fahre die Politik eine Hinhaltetaktik, der die Massenmedien großteilig auf den Leim gingen. Nach einem kalten Winter sei also ein heißer Frühling zu erwarten, was die Studierendenproteste angeht.
Mehr über die Besetzung und die politischen Forderungen gibt es im neuen ''Rätetä'' Nr. 55, das in Tübingen ausliegt und auch zum Download bereitsteht auf www.tuebingenbrennt.de

Ein Herz für Kinder

...hat ohne Zweifel die Tübinger Kinderklinik. Im Rahmen eines Forschungsprojekts wurde eine Methode entwickelt, die den optimalen Zeitpunkt für nachfolgende Herzoperationen bei Kindern besser bestimmen soll. Unterstützt wird das ganze von der Fördergemeinschaft Kinderherzzentren in Bonn, die dadurch den Einsatz von speziellen Kathetern und Messstationen ermöglicht. Insgesamt unterstützt die Fördergemeinschaft außer Tübingen noch 8 weitere Kinderherzzentren mit entsprechenden Forschungsstellen und Untersuchungsgeräten.

Barrierefreiheit beschlossen

Der Gemeinderat hat beschlossen, dass Tübingen die Barcelona-Erklärung unterschreibt. Dazu gehört ein Handlungskonzept für eine barrierefreie Stadt. Die Verwaltung übernimmt den Inhalt des Konzepts in ihrem Zuständigkeitsbereich und wirbt für dessen Ziele. Die Verwaltung soll umsetzungsfähige und finanzierbare Projekte entwickeln. Außerdem erhält der Gemeinderat jährlich einen Bericht zum Stand der Barrierefreiheit in Tübingen.

Konzept Kindervilla

In der neuen Kindervilla Alexanderpark soll es ab Januar eine Möglichkeit zur flexibleren Kinderbetreuung geben: eine Gruppe, in der je nach Bedarf die Kinder länger als gewöhnlich oder sogar über Nacht betreut werden sollen- doch dieses Vorhaben hat einen deutlichen Nachteil. Für die höchstmögliche Betreuungsdauer, die auf 10 Stunden pro Tag angesetzt ist, sollen die Eltern je nach Einkommen 100-380 euro bezahlen. Somit befindet sich der berechnete Beitrag eindeutig über dem im Regelbetrieb zu entrichtenden. Aus eben diesem Grund stieß zwar das Konzept an sich auf Begeisterung, doch die Rats-Fraktionen äußerten sich kritisch zum finanziellen Aspekt. Das Projekt soll also zunächst in seiner Entwicklung überwacht werden und gegebenenfalls muss dann ein anderes Modell gesucht und entwickelt werden.

Stressfaktor Schule


30 Prozent aller Lehrer sind so gestresst, dass ihnen eine gesundheitliche Beeinträchtigung droht. Joachim Bauer, Arzt und Neurobiologe aus Tübingen, hielt  im Studium Generale einen Vortrag. Er umriss Lösungsstrategien, die den Lehrern ihr Berufsleben vereinfachen sollen. Überraschenderweise zeigten Lehrer mit Teilzeitverträgen mehr Burn-Out Symptome als ihre Kollegen. Dies ist auf ihre fehlende Anerkennung im Freundeskreis zurüc zuführen. Ein festes soziales Umfeld sowie mehr Kommunikation mit den Kollegen sollen eine erste Hilfe sein. Welche vorgetragenen Ansätze wie umgesetzt werden, ist noch nicht klar.

Wilderei

Die Jäger schießen zurück. Und zwar auf den Landkreis. Weil dieser an der Jagdsteuer festhält, weigern sich nun die Jäger Unfallwild zu entsorgen. Dies wurde am Montag Abend in einer Sitzung von der Kreisjägervereinigung beschlossen. Zukunft sollen die Straßenmeistereien die Entsorgung übernehmen. Die dadurch verursachten kosten übersteigen jedoch die Einnahmen der Jagdsteuer. Das Wild wird nicht liegen gelassen und es wird wieder völlig sinnlos mehr Geld vom Landkreis ausgegeben.

Gutes Gewissen

Die Reutlinger Grünen sind mit dem Verlauf der Öko-Initiativen der Reutlinger Stadtwerke zufrieden – und selber davon überrascht. Während sie zum Start der verschiedenen Programme vor fünf Jahren noch zu den Kritikern gehörten, loben sie jetzt vor allem Dingen die gute Vermittlung der Programme bei den Kunden. Die Stadtwerke stünden in der Meinung der Reutlinger deutlich besser da als vor dem Start. Das liege in erster Linie am Erfolg der Programme, bei denen der Kunde ohne Mehrkosten teilnehmen kann, da hier weiter nur der Verbrauch bezahlt werden muss und die Innovationskosten über die Fair-Energie, den operativen Ableger der Stadtwerke finanziert würden. Zwei Kritikpunkte bleiben allerdings: Der Anteil von Atomstrom an der Reutlinger Energieversorgung sei mit 44% immer noch viel zu hoch und der Energiegroßkonzern ENBW stecke einen zu großen Teil der Gewinne ein.

Periphere Kunst

Die frisch renovierte Galerie "peripherie" im Sudhaus soll für die Besucher attraktiver gestaltet werden. Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel die Öffnungszeiten so geändert werden, dass eine direkte Anbindung zu den anderen Veranstaltungen im Sudhaus möglich wird. Auch thematische Abstimmungen zwischen Ausstellungen und Veranstaltungen werden dabei in Betracht gezogen. In dem Künstler Reinhard Brunner fand sich ein Organisator für den Ausstellungsbetrieb, der gleich mit seinen Werken den Anfang des ganzen macht. Jede Austellung soll etwa 6 Wochen dauern, also wären 6 Ausstellungen pro Jahr möglich. Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, dass es genug Leute gibt, die Kunst nicht nur peripher interessiert.

Vespern statt Beten

Vom 8. Januar bis zum 6. Februar gibt es zum ersten Mal auch in Tübingen eine Vesperkirche. In der Martinskirche am Nordring wird ein Mittagessen für Bedürftige angeboten – aber auch für jene, die sich fremd und einsam fühlen. 170 Freiwillige haben sich gemeldet, um mitzuhelfen und an den mit Blumen und Kerzen geschmückten Tischen zu servieren. Die Stadtwerke stellen  Bustickets zum Nordring zur Verfügung. Trotzdem sind weitere Spenden erbeten: Rund 40 000 € werden benötigt, um das Essen zu finanzieren und evtl. weitere Freifahrten zu ermöglichen.
Beten für sein Essen muß jedoch niemand. Der Projektleiter und evangelische Diakon Peter Heilemann möchte niemanden missionieren. Angesichts der Schicksale, die er als Betreuer des Tübinger Arbeitslosentreffs und Seelsorger der Häftlinge im Tübinger Untersuchungsgefängnis kennen lernt, möchte er vielmehr ein Signal der Solidarität setzen.
Wüste Welle Hörern ist Peter Heilemann übrigens kein Unbekannter. Jeden Montag von 18.00 bis 20.00 serviert er auf der 96,6 in der Oldiethek den geneigten Hörern und -innen akustische Köstlichkeiten.

Der Urpatriarch

Stammvater Abraham sollte sie zusammenführen, all die, die sich auf ihn berufen. Der Verein Süddialog lud letzte Woche, am Donnerstag zu einem Symposium mit dem Titel „Abraham als Symbol der Gastfreundschaft und Migration.“  Theologen der drei betreffenden Religionen Judentum, Christentum und Islam trafen sich in Tübingen zum einträchtigen Gespräch. Walter Honolka, der liberale Rabbiner und Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam betonte Abrahams Gottestreue, Heimatlosigkeit und Gastfreundschaft. Auch für den  katholischen  Theologieprofessor Karl Josef Kuschel ist Abrahams radikales Gottvertrauen dessen vorzüglichste Eigenschaft. Der Islamwissenschaftler Cemal Usak hob dagegen neben der Gastfreundschaft die Fähigkeit, sich in ein fremdes Volk zu integrieren ohne die eigene Identität zu verlieren, hervor. Auch die übrigen Teilnehmer, der Soziologe Walter Siebel, Sultan Braun, die Integrationsbeauftragte der Stadt Reutlingen, der Kulturwissenschaftler Reinhard Johler, der Journalist Oktay Yaman und der Theologe Urs Baumann setzten auf Abraham als Integrationsfigur.
Was aber ist mit jenen, die sich nicht auf den Urpatriarchen berufen?

Wer im Glashaus sitzt...

Tübingens grüne Insel ist vom Rost bedroht. Die Tropenluft, die man hier auch im Winter schnuppern kann hat, dem Schutzgehäuse des tropicaren Paradieses zugesetzt. An manchen Rahmenprofilen hält nur noch der Rost das Glas. Aber auch die Wärmepumpe der Gewächshäuser im Botanischem Garten ist altersschwach und ein effizienterer Sprühnebel soll sowohl den subtropischen als auch den tropischen  Pflanzen zugute kommen. Letztere im großen Gewächshaus werden allerdings stark zurückgeschnitten werden müssen, wenn die geplante  Renovierung ab Mai 2010 beginnt. Bis Dezember sollte dann alles fertig sein. Zum Wohle der Pflanzen und ihrer Freunde.

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